Prämonstratenser feiern 900-jähriges Bestehen

Der Orden der Prämonstratenser hat am Sonntag mit einem Festgottesdienst im Kloster Roggenburg in Bayern sein 900-jährige Bestehen gefeiert.
 Roggenburg – Der Orden der Prämonstratenser hat am Sonntag mit einem Festgottesdienst im Kloster Roggenburg in Bayern sein 900-jährige Bestehen gefeiert. Es ist zugleich der Festtag des Ordensgründers, des heiligen Norbert von Xanten (1080/85-1134). Ihn würdigte der Augsburger Bischof Bertram Meier in seiner Predigt als unnachgiebigen Reformer. Er habe sich als Bischof von Magdeburg sowohl bei adeligen Domherren, deren Lebensstil und Besitzverhältnisse er anprangerte, als auch bei einfachen Priestern, denen er die Einhaltung des Zölibats einschärfte, unbeliebt gemacht.

Kloster Roggenburg –Foto: AlchemillaMollis/Pixabay

Der Orden der Prämonstratenser hat am Sonntag mit einem Festgottesdienst im Kloster Roggenburg in Bayern sein 900-jährige Bestehen gefeiert. Es ist zugleich der Festtag des Ordensgründers, des heiligen Norbert von Xanten (1080/85-1134). Ihn würdigte der Augsburger Bischof Bertram Meier in seiner Predigt als unnachgiebigen Reformer. Er habe sich als Bischof von Magdeburg sowohl bei adeligen Domherren, deren Lebensstil und Besitzverhältnisse er anprangerte, als auch bei einfachen Priestern, denen er die Einhaltung des Zölibats einschärfte, unbeliebt gemacht.

Auch viele Gläubige hätten sich mit Norbert von Xanten schwer getan, da er die Messlatte hochlegt habe, so Meier. „Sie fühlen sich von ihrem Hirten gegängelt. In der Stadt herrscht Empörung.“ Aber auch nach einem Aufstand und zwei Mordanschlägen, nach denen der Bischof nach Halle habe fliehen müssen, sei er nicht von seinem Kurs abgewichen. In der Kunst werde Norbert meist mit einer Monstranz gezeigt. Darin bestehe seine Botschaft bis heute: „Behaltet bei Eurem Diskutieren und Kritisieren, bei Euren Debatten auf dem Synodalen Weg, bei der Aufklärung und Bearbeitung Eurer Skandale stets die Mitte im Blick: den Herrn Jesus Christus!“

Meier würdigte das Engagement der Prämonstratenser in seinem Bistum. Deren Spiritualität beruhe auf drei Säulen: Priestergemeinschaft, geistliches Ordensleben und engagierte Seelsorge. „Das schlägt sich nieder in gut vorbereiteten Predigten, im Unterricht und in der Pfarreiarbeit, aber auch auf anderen Gebieten wie Kirchenmusik, Kunst und Kultur, Jugend-, Familien- und Schöpfungspastoral.“ Der Bischof dankte den Roggenburger Ordensleuten für ihr Engagement seit beinahe 40 Jahren.

Der Prämonstratenser-Orden wurde 1121 im französischen Premontre gegründet. Zuvor dem weltlichen Leben nicht abgeneigt, hatte der adlige Geistliche Norbert als Stiftsherr an Sankt Viktor zu Xanten 1115 während eines Gewitters ein Bekehrungserlebnis. Weil er sich bei seinen Mitbrüdern, den Xantener Stiftsherren, mit seinen Forderungen zur geistlichen Umkehr nicht durchsetzen konnte, begann er ein Leben als asketischer Buß- und Wanderprediger.

In Premontre legte er den Grundstein für den schon bald größten Chorherrenorden. Durch Hussiten- und Türkenkriege und die Säkularisationen des 18. und 19. Jahrhunderts wurde der Orden fast völlig vernichtet. Heute sind die Prämonstratenser weltweit mit etwa 1.300 männlichen und weiblichen Mitgliedern und rund 80 selbstständigen Klöstern vertreten, davon die Hälfte in Übersee. In Deutschland gibt es derzeit drei Prämonstratenser-Abteien sowie zwei Priorate.

Es war ein dickes Gewitter, das das Leben des Domherrn Norbert komplett umkrempelte. Dem weltlichen Leben durchaus nicht abgeneigt, hatte der adlige Geistliche 1115 bei einem Unwetter sein Bekehrungserlebnis. Geläutert kehrte er von einem Ausritt in das reiche Stift Sankt Viktor in Xanten am Niederrhein zurück. Allein, bei seinen Mitbrüdern, die viele Einkünfte und wenig Verpflichtungen hatten, konnte er sich mit seinen plötzlichen Aufrufen zu geistlicher Umkehr nicht durchsetzen. Doch dieses Scheitern war nur der Anfang zu einer noch größeren Geschichte.

Bald kehrte Norbert mit 35 Jahren seinem bisherigen Leben, seinen Privilegien und seiner üppigen Pfründe den Rücken und lebte fortan als asketischer Buß- und Wanderprediger. Im einfachen Volk kam seine Ansprache gut an. Der „Amtskirche“ war sein unkontrolliertes Wanderdasein dagegen verdächtig, ähnlich wie bei seinem Zeitgenossen Robert d’Arbrissel (um 1045-1116), dem Gründer der Abtei Fontevraud.

Wie dieser wurde auch Norbert eher wider Willen zum Gründer. Im nordfranzösischen Premontre, auf Fernbesitz der Abtei Prüm, formte er 1120/21, vor 900 Jahren, eine neue geistliche Gemeinschaft Gleichgesinnter: die Keimzelle des Prämonstratenserordens, des schon bald größten Ordens sogenannter regulierter Chorherren.

Begeistert vom neuerwachten Armutsideal, betrachtete Norbert die Lebensweise der traditionellen Chorherren [s. Stichwort Kanoniker], die Privateigentum und eigene Wohnungen besaßen, als mit dem Ideal der radikalen Nachfolge Christi unvereinbar. Norberts Vision: Wie die Apostel sollen Priester aus einer Gemeinschaft heraus als Seelsorger wirken, nicht vereinzelt. Sein Orden dient dabei vor allem als ein Zusammenschluss selbstständiger Klöster; die oberste Instanz, das Generalkapitel, legt lediglich eine für alle Klöster verbindliche Rahmengesetzgebung fest.

Die Spiritualität der asketisch lebenden Prämonstratenser steht also auf drei Säulen: Priestergemeinschaft, geistliches Ordensleben und engagierte Seelsorge. Zu ihren Hauptaufgaben gehören Predigt, Unterricht und Pfarreiarbeit. Immer mehr Stifte von Chorherren und -frauen in Europa übernahmen Norberts strenge Regel, wurden also „reguliert“, indem ihre Mitglieder Gelübde ablegten.

Für Norbert selbst hielt das Leben noch einen zweiten Bruch bereit. Nicht nur, dass Papst Honorius II. Anfang 1126 die Regel der „Chorherren des heiligen Augustinus nach den Gebräuchen der Kirche von Premontre“ bestätigte. Er zog auch deren Gründer ab und machte ihn überraschend zum Erzbischof von Magdeburg.

Während Norbert offenbar hoffte, damit eines der wichtigsten deutschen Bistümer auf einen Schlag reformieren zu können, kam der Schritt eigentlich bei kaum jemand sonst gut an. In Magdeburg, wo er angeblich barfuß und in ärmlicher Kleidung einzog, wollte die Geistlichkeit weder von ihren Besitzungen lassen noch den Zölibat einhalten. Seine Ordensbrüder hingegen sahen ihn als Abtrünnigen, der in die Gebräuche der schlechten Welt zurückgekehrt war.

Neben der Kirchenreform widmete sich Norbert in seinen acht Bischofsjahren vor allem der Slawenmission; er starb im Juni 1134 in Magdeburg. Nach der Reformation in Mitteldeutschland kamen seine Gebeine schließlich ins Kloster Strahov oberhalb von Prag. 1582 wurde er heiliggesprochen.

Durch Hussiten- und Türkenkriege und die Säkularisationen des 18. und 19. Jahrhunderts wurde der Orden fast völlig vernichtet. Heute ist er wieder weltweit mit etwa 1.300 männlichen und weiblichen Mitgliedern und rund 80 selbstständigen Klöstern vertreten, davon die Hälfte in Übersee. Vor allem in Belgien und den Niederlanden werden die Prämonstratenser nach ihrem Gründer auch „Norbertiner“ genannt. 65. Generalabt ist seit 2018 der Belgier Jos Wouters (61).

Der weibliche Zweig sind die Prämonstratenserinnen, der dritte Orden die sogenannten Prämonstratenser-Tertiaren. In Deutschland gibt es derzeit drei Prämonstratenser-Abteien – Duisburg-Hamborn, Windberg in Niederbayern und Speinshart in der Oberpfalz – sowie zwei Priorate: Roggenburg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und Magdeburg.

An der letzten Wirkungsstätte ihres Ordensgründers, in Magdeburg, wollen die Prämonstratenser aus Duisburg 2021 ihr neues Kloster fertigstellen. Es soll Platz für elf Ordensmänner bieten. Dort sollen dann auch die Europäische Sankt-Norbert-Stiftung, die evangelische Altstadtgemeinde, die evangelisch-reformierte Gemeinde und die katholische Pfarrgemeinde Sankt Augustinus vertreten sein.

kna

Albert Dölken wurde vor 25 Jahren zum Abt von Hamborn gewählt