Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Janssen weiter offen

Nach Veröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens für das Bistum Hildesheim bleibt weiterhin offen, ob sich der frühere Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) an Kindern vergangen hat.
Hildesheim – Nach Veröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens für das Bistum Hildesheim bleibt weiterhin offen, ob sich der frühere Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) an Kindern vergangen hat. Es könne nicht festgestellt werden, "ob Bischof Janssen sexuellen Missbrauch oder sexuelle Grenzüberschreitungen gegenüber Minderjährigen begangen hat", heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Bericht. "Es ergeben sich allerdings verschiedene Facetten, eines problematischen Umgangs mit sexualisierter Gewalt und Sexualität."

Der Hildesheimer Dom. (Symbolfoto: falco/Pixabay)

Nach Veröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens für das Bistum Hildesheim bleibt weiterhin offen, ob sich der frühere Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) an Kindern vergangen hat. Es könne nicht festgestellt werden, „ob Bischof Janssen sexuellen Missbrauch oder sexuelle Grenzüberschreitungen gegenüber Minderjährigen begangen hat“, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Bericht. „Es ergeben sich allerdings verschiedene Facetten, eines problematischen Umgangs mit sexualisierter Gewalt und Sexualität.“

Die Gutachter um die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz stellten „eklatante Missstände“ im Umgang mit Missbrauch während Janssens Amtszeit zwischen 1957 und 1982 fest. „Demnach gab es von kirchlicher Seite Zuwendung und Schutz für die Täter, während die Betroffenen keinerlei Hilfsangebote erhielten und mit ihrem Leid allein gelassen worden sind“, erklärte das Bistum. Die Untersuchung mache sichtbar, dass es „massives Unrecht“ gegenüber Kindern in katholischen Heimen gab. Insbesondere im Bernwardshof in Hildesheim-Himmelsthür werde über physische, psychische und sexualisierte Gewalt berichtet.

Janssen ist der erste deutsche Bischof, dem sexueller Missbrauch von Minderjährigen angelastet wird. Die Vorwürfe stammen aus zwei Quellen. Zum einen hatte sich 2018 ein Mann Mitte 70 an die Diözese und ihren heutigen Bischof Heiner Wilmer gewandt. Der frühere Bewohner eines kirchlichen Kinderheims berichtete, dass ihn Janssen Ende der 1950er-Jahre aufgefordert habe, sich nackt vor ihm auszuziehen. Anschließend habe er ihn mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen.

Zum anderen hatte sich bereits 2015 ein ehemaliger Ministrant dem Bistum berichtet, Janssen habe ihn zwischen 1958 und 1963 sexuell missbraucht. Dieser Vorwurf war bereits Thema in einem 2017 veröffentlichten Gutachten. Die Autoren konnten ihn damals ebenfalls weder beweisen noch entkräften.

Wilmer hatte das nun vorgestellte Gutachten, das sich ausschließlich auf die Amtszeit Janssens konzentriert, im April 2019 beauftragt. Der heutige Hildesheimer Bischof kündigte bereits an, zügig die Zeit nach 1982 und somit auch seine eigene Amtsperiode untersuchen lassen zu wollen.

 

Kommentar hinterlassen zu "Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Janssen weiter offen"

Hinterlasse einen Kommentar