Streit um islamischen Gebetsruf in Köln

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält es für einen Ausdruck von Respekt, dass in Köln künftig Muezzine zum Freitagsgebet rufen dürfen.
Osnabrück – Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält es für einen Ausdruck von Respekt, dass in Köln künftig Muezzine zum Freitagsgebet rufen dürfen. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) sagte Mazyek, der Muezzin-Ruf sei integraler Bestandteil des muslimischen Gebets und eine Selbstverständlichkeit in vielen Ländern Europas sowie den USA.

(Symbolfoto: SatyaPrem/Pixabay)

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält es für einen Ausdruck von Respekt, dass in Köln künftig Muezzine zum Freitagsgebet rufen dürfen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte Mazyek, der Muezzin-Ruf sei integraler Bestandteil des muslimischen Gebets und eine Selbstverständlichkeit in vielen Ländern Europas sowie den USA.

So wie es in vielen muslimischen Ländern Glockengeläut gebe, werde der muslimische Ruf zum Gebet als „Ausdruck des Respekts für unsere im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit in der rheinischen Metropole praktiziert“, so Mazyek. „Köln sendet damit ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt.“ Dieser Teil des Glaubens dürfe kein Bestandteil politischer Debatten sein, so Mazyek. „Sonst spielt man mit einer islamfeindlichen Klaviatur den Extremisten in die Hände.“

Der Leiter des Osnabrücker Islaminstituts, Bülent Ucar, bezeichnete die Kölner Entscheidung als „überfällig“. Der Zeitung sagte Ucar: „Bislang hat man den Islam in Deutschland eher verdrängt – in Hinterhofmoscheen und Wohngebiete.“ Der Muezzin-Ruf am Freitag mache die „religiöse Pluralisierung in Deutschland sichtbar. Einer Stadt wie Köln tut das gut. Andere Städte praktizieren es ja auch bereits.“

Der Professor für islamische Theologie fügte hinzu: „In Istanbul läuten die Kirchenglocken täglich.“ Ucar schloss allerdings mit dem Hinweis: „Ich würde empfehlen, es ohne Lautsprecher zu machen und bei einem Ruf am Freitag zu belassen, um die Nachbarschaft nicht allzu sehr zu stören.“

Zuvor hatte die türkischstämmige Soziologin und Publizistin Necla Kelek in der „Bild“-Zeitung Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker wegen des Gebetsrufs heftig kritisiert. „Ausgerechnet eine Frau als Oberbürgermeisterin bestätigt diesen Männern, dass dieses Gesellschaftsbild in Ordnung ist – mitten unter uns“, zitiert sie die Zeitung. „Wenn Allahu Akbar gerufen wird, kommen Männer zusammen. Die Männer, die ihre Frauen zu Hause haben.“ Diese Frauen dürften laut ihren Männern keinen Platz in der Öffentlichkeit haben – „daher auch das Kopftuch, falls sie sich in der Öffentlichkeit bewegen sollten“, so die Islam-Expertin.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (64) hat die Einführung des Modellprojekts zum islamischen Gebetsruf in der Stadt verteidigt. Es gebe darum viele Diskussionen, schrieb die parteilose Politikerin (Sonntag) auf Twitter. „Köln ist die Stadt der (religiösen) Freiheit & Vielfalt“, erklärte sie. „Wer am Hauptbahnhof ankommt, wird vom Dom begrüßt und von Kirchengeläut begleitet. Viele KölnerInnen sind Muslime. Den Muezzin-Ruf zu erlauben, ist für mich ein Zeichen des Respekts.“

In Köln können Moscheen zunächst auf zwei Jahre befristet unter strengen Auflagen die öffentliche Durchführung des Gebetsrufs beantragen. Daran gibt es Kritik. In Teilen ist diese auch islamfeindlich motiviert.

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