Welskop-Deffaa zur ersten Caritaspräsidentin gewählt

Die Caritas bekommt eine Chefin. Mit Eva Maria Welskop-Deffaa leitet künftig erstmals eine Frau Deutschlands größten Sozialverband.
Welskop-Deffaa zur ersten Caritaspräsidentin gewählt Die Caritas bekommt eine Chefin. Mit Eva Maria Welskop-Deffaa leitet künftig erstmals eine Frau Deutschlands größten Sozialverband.

(Foto: DCV/ Anke Jacob)

Die Caritas bekommt eine Chefin. Mit Eva Maria Welskop-Deffaa leitet künftig erstmals eine Frau Deutschlands größten Sozialverband. Die Caritas-Delegiertenversammlung wählte die 62-jährige Volkswirtin am Mittwoch zur neuen Caritaspräsidentin und damit zur Nachfolgerin von Peter Neher (66); er hatte die Caritas 18 Jahre lang geleitet. Die Position ist eine Schlüsselstelle bei der Mitgestaltung der Sozialpolitik in der Bundesrepublik. Die Amtsübergabe ist für Mitte November geplant. Bei der Wahl der 161 Delegierten setzte sich Welskop-Deffaa im zweiten Wahlgang gegen ihre Mitbewerber Markus Leineweber und Christian Hermes durch. Sie erhielt 81 Stimmen und damit genau die laut Satzung nötige absolute Mehrheit. Hermes kam auf 74 Stimmen, Leineweber auf 6 Stimmen.

Positives Signal, dass der Caritas-Verband nun erstmals von einer Frau geleitet werde

In einer ersten Reaktion dankte Welskop-Deffaa für das in sie gesetzte Vertrauen. Es sei ein positives Signal, dass der Caritasverband nun erstmals von einer Frau geleitet werde. Als wichtige Aufgabenfelder nannte sie die Stärkung des Sozialstaates, eine sozialgerechte Gestaltung der Klimapolitik und den digitalen Wandel. „Mehr als 80 Prozent der Mitarbeitenden der Caritas sind Frauen. Da passt es gut, dass nun auch der Spitze des katholischen Wohlfahrtsverbands eine Frau steht“, so die neue Präsidentin.

„Mehr Frauen den Weg in kirchliche Führungspositionen zu eröffnen, ist eines der großen Themen der kirchlichen Erneuerung. Ich freue mich, wenn ich dazu beitragen kann, die Türen der Kirche von innen aufzustoßen“, sagte sie. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, wünschte Welskop-Deffaa bei ihrer „verantwortungsvollen Aufgabe“ viel Erfolg. Als Herausforderungen für die Caritas nannte er die „sozial gerechte ökologische Transformation“ sowie „Erhalt und Verbesserung des Lebensschutzes“. Deutschland brauche eine starke und leistungsfähige Caritas, so Bätzing.

Engagement im ZdK

Auch der evangelische Sozialverband Diakonie gratulierte und betonte, sie stehe für eine moderne und christliche Sozialpolitik. „Ich freue mich auf eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Welskop-Deffaa saß bereits seit 2017 im Vorstand des Deutschen Caritasverbands. Zuvor arbeitete die Duisburgerin im Vorstand der Gewerkschaft Verdi und leitete von 2006 bis 2012 die Gleichstellungsabteilung im Bundesfamilienministerium. Auch für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) war Welskop-Deffaa tätig. Als Caritas-Präsidentin will sie dafür eintreten, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Die Corona-Pandemie hat für sie gezeigt, dass es einen starken Sozialstaat braucht. Verbandsintern gilt Welskop-Deffaa als Verfechterin einer Stärkung der Caritas-Standorte Brüssel und Berlin.

Mit rund 690.000 hauptamtlichen Mitarbeitern – 80 Prozent sind Frauen – ist die Caritas der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Verband engagiert sich auf allen Gebieten der Gesundheits-, Jugend- und Sozialhilfe. Rund 8.000 rechtlich eigenständige Träger unterhalten bundesweit mehr als 24.000 Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Altenpflegeheime, ambulante Pflegedienste oder Beratungsstellen. Zuletzt an Bedeutung gewonnen haben digitale Angebote. Teil des Verbands ist die Hilfsorganisation Caritas international, die weltweit Katastrophen- und humanitäre Hilfen organisiert. Die Caritas finanziert sich durch die öffentliche Hand, Beiträge und Spenden sowie durch kirchliche Zuschüsse.

Von Volker Hasenauer (KNA)

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