Spahn zu zweitem Corona-Weihnachten: Nächsten Wochen entscheiden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich vorsichtig mit Blick auf die Entwicklung der vierten Pandemie-Welle.
Hamburg – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich vorsichtig mit Blick auf die Entwicklung der vierten Pandemie-Welle. Ob es auch 2021 wieder ein Weihnachten in kleinem Kreis geben könnte, entscheide sich in den nächsten Wochen, sagte er im Interview der ARD-Tagesthemen (Donnerstag). Für Geimpfte und Genesene werde es jedoch keine Einschränkungen geben. Es sei durch die Impfungen "jetzt viel mehr Alltag möglich als sonst bei diesen Inzidenzen", so der Minister. "Ich kann ihnen noch nicht sagen, wie das wird an Weihnachten."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Foto: ©BMG)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich vorsichtig mit Blick auf die Entwicklung der vierten Pandemie-Welle. Ob es auch 2021 wieder ein Weihnachten in kleinem Kreis geben könnte, entscheide sich in den nächsten Wochen, sagte er im Interview der ARD-Tagesthemen (Donnerstag). Für Geimpfte und Genesene werde es jedoch keine Einschränkungen geben. Es sei durch die Impfungen „jetzt viel mehr Alltag möglich als sonst bei diesen Inzidenzen“, so der Minister. „Ich kann ihnen noch nicht sagen, wie das wird an Weihnachten.“

Spahn: „Tempo beim Boostern“ gefragt

In der Debatte um neue Corona-Regeln, Impfungen in Alten- und Pflegeheimen sowie Auffrischungsimpfungen dringt Spahn auf eine Testpflicht. Es sei ihm unverständlich, dass Menschen, die mit Kranken und Pflegebedürftigen arbeiten, wenn sie sich selbst nicht impfen lassen, „diese ja auch unnötig ein Stück ins Risiko bringen“. Er wolle dafür werben, dass eine Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen per Bundesgesetz eingeführt werde.

Bei einer allgemeinen Impfpflicht sei er „sehr zurückhaltend“, auch weil er erlebe, „dass da viele Spannungen in der Gesellschaft sind beim Thema Impfen“, so Spahn weiter. „Meine Sorge ist, dass bei einer verpflichtenden Impfung aus Spannungen Spaltungen werden.“ Er wolle für alle Auffrischungsimpfungen anbieten. Dass diese Booster-Impfung „einen echten Unterschied macht für den Impfschutz“, sehe man etwa durch die Daten aus Israel. Dort sei es gelungen, auf diese Weise die vierte Welle zu brechen. Deshalb sei „mehr Tempo beim Boostern“ gefragt, erklärte der Minister.

Virologe Streeck warnt vor trügerischer Sicherheit durch Impfung

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warnt angesichts der vierten Pandemie-Welle vor einem „etwas kritischeren“ Herbst und Winter. „Weil wir das Gefühl haben – bei den Geimpften -, dass die Pandemie vorbei ist, was sie ja im Grunde auch ist“, sagte er der Deutschen Welle (Donnerstag). „Aber wir sehen auch deutlich, dass Geimpfte sich infizieren und auch das Virus weitergeben können. Damit haben wir die Problematik, dass wenn diese Gruppe glaubt, sie ist nicht mehr Teil dieser Pandemie, wir sehr viel mehr unvorhersehbare Ausbrüche bekommen können“, so der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn.

„Wir testen nicht mehr, darum finde ich Regeln wie 2G relativ gefährlich. Im letzten Herbst und Winter hat uns das Testen sehr gut geholfen“, so Streeck weiter. Auch jetzt müsse man sowohl bei Geimpften wie Ungeimpften auf Tests setzen und sich wieder stärker auf die Alten- und Pflegeheime konzentrieren. Dort entschieden sich die schweren Fälle, sagte der Virologe, „dort muss man jetzt vorangehen und die Booster-Impfungen vorantreiben, aber auch systematisch testen.“

Besorgt über Datenmangel

Besorgt zeigte sich Streeck angesichts des Datenmangels: „Geimpfte werden in Deutschland fast gar nicht getestet, so dass wir nicht wissen, wie viele Geimpfte infiziert sind und das Virus weitergeben können.“ In Großbritannien dagegen werde systematisch getestet, um Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften in den Infektionszahlen zu erkennen und bestimmte Milieueinbrüche festzustellen.

Zur Impfskepsis einiger Prominenter sagte Streeck, man könne Menschen wie den Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich oder den Philosophen Richard David Precht „sehr gut durch direkte Ansprache erreichen, indem man sie aufklärt“. Der Druck, der auf Kimmich ausgeübt werde, sei „wahrscheinlich sehr schwer auszuhalten“. Es bleibe „eine persönliche Entscheidung, ob man einem gesunden Körper etwas gibt, wovor man Angst hat, es geht am Ende ja um Angst“, so der Wissenschaftler.

kna/rwm
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