Erzbistum Köln weist Kritik an Missbrauch-Bußgottesdienst zurück

Das Erzbistum Köln hat Kritik von Betroffenen an einem Bußgottesdienst, bei dem Weihbischof Rolf Steinhäuser öffentlich um Vergebung für die Fehler im Missbrauchsskandal bitten will, zurückgewiesen.

Das Erzbistum Köln hat Kritik von Betroffenen an einem Bußgottesdienst, bei dem Weihbischof Rolf Steinhäuser öffentlich um Vergebung für die Fehler im Missbrauchsskandal bitten will, zurückgewiesen. Der Betroffenenbeirat des Erzbistums sei in die Planung und Gestaltung der Feier mit einbezogen worden, sagte Steinhäusers Delegat, Markus Hofmann, am Freitag dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de „Wir wollen niemanden instrumentalisieren.“ Allen eingeladenen Betroffenen stehe es frei, die Einladung zum Gottesdienst anzunehmen oder abzulehnen.

Zuvor hatten die früheren Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum, Patrick Bauer und Karl Haucke, im WDR bemängelt, dass sie zwar zu der für den 18. November im Kölner Dom geplanten Veranstaltung eingeladen, aber nicht in die Vorbereitung eingebunden worden seien. Auch die Tatsache, dass nicht Erzbischof Rainer Maria Woelki, der sich derzeit in einer Auszeit befindet, der Feier vorstehen soll, sondern Steinhäuser als Übergangsleiter des Erzbistums, war auf Kritik gestoßen.

Hofmann verteidigte die Entscheidung. „Verantwortliche im und Verantwortliche des Erzbistums haben versagt und haben anderen Menschen schweres Unrecht und Leid zugefügt.“ Steinhäuser werde in Anerkennung der Fehler und des systemischen Versagens stellvertretend für das Erzbistum Köln sprechen. „Somit gehen wir weiter, als wenn Verantwortliche allein ihre persönliche Schuld bekennen würden.“

Der Gottesdienst sei keine Alternative für persönliche Gespräche mit den Betroffenen, betonte Hofmann. Auch sei die Feier kein Ersatz für Maßnahmen, um Fehler der Vergangenheit zukünftig zu vermeiden und möglichst sexualisierte Gewalt zu verhindern. „Im Mittelpunkt steht das Hören und Anerkennen von Schuld und Versagen der Kirche von Köln in Bezug auf das Thema sexualisierte Gewalt – in erster Linie vor Gott, aber zugleich auch vor denen, die dadurch Leid und Unrecht erfahren haben, vor der Öffentlichkeit und vor sich selbst.“

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen hat im Erzbistum Köln zu einer Vertrauenskrise geführt. Vor allem Erzbischof Woelki steht in der Kritik. Papst Franziskus erklärte nach einer Untersuchung, Woelki habe „große Fehler“ in der Kommunikation gemacht, aber keine Verbrechen vertuschen wollen. Der Kardinal befindet sich noch bis März in einer Auszeit und will danach seinen Dienst wieder aufnehmen.

kna
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