Friedensorganisation fordert Aufarbeitung von Afghanistan-Krieg

Die katholische Friedensbewegung „Pax Christi“ in Deutschland fordert eine unabhängige Bewertung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr.
Die katholische Friedensbewegung "Pax Christi" in Deutschland fordert eine unabhängige Bewertung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr.

–Symbolfoto:Amber Clay/Pixabay

Die katholische Friedensbewegung „Pax Christi“ in Deutschland fordert eine unabhängige Bewertung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr. Aus dem „Desaster“ müssten Lehren gezogen werden, forderte der Bundesvorstand der deutschen Sektion am Montag in Berlin.

„Der Krieg der NATO in Afghanistan hat hunderttausende Menschen das Leben gekostet, Millionen in die Flucht getrieben und hinterlässt ein wirtschaftlich und gesellschaftlich am Boden liegendes Land, in dem nahezu die Hälfte der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist“, heißt es in der Erklärung. Mit dem desaströsen Abzug der westlichen Truppen sei gleichzeitig die Rache- und Vergeltungslogik, die den „Krieg gegen den Terror“ der USA und ihrer Bündnispartner von Beginn an gekennzeichnet habe, grundlegend gescheitert.

Warnungen vor Scheitern des Afghanistan-Krieges

„Pax Christi“ verweist auf eigene wiederholte Warnungen vor einem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes seit 2001. Mit den finanziellen Kosten des Krieges, die für Deutschland rund 18 Milliarden Euro betragen hätten, hätten notwendige Infrastruktur und auch zivilgesellschaftliche Strukturen zum Schutz der Bevölkerung gegen Terrormilizen dort wie in vielen Entwicklungsländern aufgebaut werden können.

„Die Entwicklung in Afghanistan war seit Jahren immer weniger von zivilen Aufbaumaßnahmen, der Umsetzung von Frauenrechten und einer Friedensmission bestimmt“, kritisiert die Friedensorganisation. „Stattdessen entwickelte sich eine wachsende Kriegsdynamik, und damit wurde die Verschärfung der Notsituation der Menschen in Kauf genommen.“

Umstände des Truppen-Abzuges untersuchen

Die Organisation forderte die Bundesregierung auf, nicht nur die Umstände des Abzuges der westlichen Truppen in einem Untersuchungsausschuss zu untersuchen, sondern zugleich die Hintergründe des Scheiterns des Afghanistan-Einsatzes zu analysieren. „Die Fragestellung muss sein, auf welcher Faktengrundlage ein terroristisches Verbrechen, also eine Kernaufgabe für Polizei und Justiz, umgehend zur Grundlage eines zwischenstaatlichen Krieges bis hin zum NATO-Bündnisfall und einem zeitlich und räumlich entgrenzten ‚Krieg gegen den Terror‘ werden konnte.“

Auch müsse aufgearbeitet werden, welche Auswirkungen dieser Einsatz auf die wirtschaftliche und soziale Situation Afghanistans hatte, heißt es. „Pax christi“ fordert, dass eine Aufarbeitung nicht allein aus Sicht der Militärs geschehen dürfe. Auch die Fachöffentlichkeit, die sich seit Jahrzehnten mit ziviler Konfliktbearbeitung und Krisenprävention beschäftige, müsse einbezogen werden.

kna