Kurschus: Fragen nicht auf ein simples Ja oder Nein reduzieren

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, hat sich dagegen gewandt, angesichts einer komplizierten Wirklichkeit Fragen „auf ein simples Ja oder Nein“ zu reduzieren.
Berlin – Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, hat sich dagegen gewandt, angesichts einer komplizierten Wirklichkeit Fragen "auf ein simples Ja oder Nein" zu reduzieren. "Könnte es auch im gegenwärtigen Streit um Krieg und Frieden die Aufgabe von Christinnen und Christen sein, sich als Anwälte und Anwältinnen der Unverfügbarkeit zu verstehen?", fragte sie am Mittwochabend beim traditionellen Johannisempfang der EKD in Berlin. Dies bedeute "ausdrücklich dem Nichtwissen das Wort zu geben, der Skepsis ihr Recht einzuräumen, dem Zweifel den Platz freizuhalten", fügte sie hinzu.

EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus. –Foto: EKD/Jens Schulze

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, hat sich dagegen gewandt, angesichts einer komplizierten Wirklichkeit Fragen „auf ein simples Ja oder Nein“ zu reduzieren. „Könnte es auch im gegenwärtigen Streit um Krieg und Frieden die Aufgabe von Christinnen und Christen sein, sich als Anwälte und Anwältinnen der Unverfügbarkeit zu verstehen?“, fragte sie am Mittwochabend beim traditionellen Johannisempfang der EKD in Berlin. Dies bedeute „ausdrücklich dem Nichtwissen das Wort zu geben, der Skepsis ihr Recht einzuräumen, dem Zweifel den Platz freizuhalten“, fügte sie hinzu.

Mit Blick auf die ethischen Fragen rund um den Krieg in der Ukraine müssten die Aporien und Dilemmata akribisch benannt werden, forderte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Der Schutz von Leben, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden sei Aufgabe des Staates – „notfalls auch mit Gewalt“. „Dabei gilt es nüchtern zu sehen: Solcher Schutz und alle Hilfe zur Verteidigung sind ihrerseits mit Gewalt verbunden und stehen in Gefahr, neues Leid zu verursachen und sich schuldig zu machen“, sagte Kurschus in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie zahlreichen Bundespolitikern.

Es empöre sie, wenn der Patriarch von Moskau einen Angriffskrieg als gottgewolltes Mittel darstelle, um seine eigene Auffassung des Christentums und seine Sicht der Geschichte durchzusetzen, meinte die EKD-Ratsvorsitzende. „Gott in dieser Weise vor den eigenen Karren zu spannen, halte ich für Gotteslästerung“, fügte sie hinzu. Damit verurteile sie „ausdrücklich nicht die gesamte russische Orthodoxie, die in sich sehr vielstimmig ist“. Die EKD dürfe und werde die ökumenischen Brücken zu ihr nicht abbrechen. Zugleich ist nach Ansicht der Präses auch Skepsis geboten, „wenn die Verteidigung der Ukraine pauschal als Verteidigung westlicher Werte idealisiert wird“. Auch hier wittere sie eine geschichtstheologische Überhöhung des Krieges, die ihr suspekt sei, so Kurschus.

Fragen nach Frieden und Sicherheit dürfen nach ihrer Auffassung auch nicht ausgespielt oder aufgerechnet werden gegen Fragen des Klimaschutzes und der Bewahrung der Schöpfung. Klimawandel sei der größte Hungertreiber, und Klimapolitik sei auch eine Frage von Gerechtigkeit und Sicherheit, unterstrich die EKD-Ratsvorsitzende. „Klima- und Sicherheitspolitik, die ihren Namen verdient, wird nie zu Lasten, sondern stets zugunsten der Armen in aller Welt und auch zugunsten der Armen in unserem Land geschehen können und müssen.“

An dem Empfang am Berliner Gendarmenmarkt nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Kirchen, Kultur und Wirtschaft teil. Dabei wurde der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Martin Dutzmann (66), in den Ruhestand verabschiedet. Dutzmann hatte das Amt des Bevollmächtigten seit Oktober 2013 inne. Seine Nachfolge ist noch nicht entschieden.

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