Overbeck: Einmal mehr geht Vertrauen in Bischöfe verloren

„Mit der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral geht einmal mehr Vertrauen in uns Bischöfe verloren. Ich kann den Zorn, die Verärgerung und Enttäuschung vieler in unserer Kirche verstehen“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Freitagnachmittag in einer Stellungnahme nach der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral in der Synodalversammlung.
„Mit der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral geht einmal mehr Vertrauen in uns Bischöfe verloren. Ich kann den Zorn, die Verärgerung und Enttäuschung vieler in unserer Kirche verstehen“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Freitagnachmittag in einer Stellungnahme nach der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral in der Synodalversammlung.

Bischof Overbeck –Foto: Spernol

„Mit der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral geht einmal mehr Vertrauen in uns Bischöfe verloren. Ich kann den Zorn, die Verärgerung und Enttäuschung vieler in unserer Kirche verstehen“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Freitagnachmittag in einer Stellungnahme nach der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral in der Synodalversammlung. „ Nur eine Kirche, die die Lebenswirklichkeit der Menschen wahrnimmt, ist eine lebendige Kirche. Auch wenn nur eine Minderheit der Bischöfe das Grundlagenpapier zur Sexualmoral zum Scheitern gebracht hat, so bleiben doch bei vielen Zweifel, wie veränderungswillig und veränderungsbereit unsere Kirche ist.“

Overbeck erklärte am Freitag, er sei froh, dass gemeinsam mit mir ihm  auch die beiden Essener Weihbischöfe Wilhelm Zimmermann und Ludger Schepers dem Grundlagenpapier zugestimmt haben. „Alle deutschen Bischöfe tragen eine hohe Verantwortung dafür, den Synodalen Weg nicht scheitern zu lassen“, sagte Overbeck. Dieser Verantwortung wolle er gerecht werden. Er setze sich „mit aller Kraft dafür ein, diesen Weg fortzusetzen – hier auf der Synodalversammlung und im Bistum Essen“.

Zuvor hatte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck im Interview mit dem Neuen Ruhrwort über sich und seine Amtskollegen erklärt: „Wir müssen zumindest mit Blick auf uns, die Deutsche Bischofskonferenz zeigen, dass uns die Themen weiterhin wichtig sind.“ Es gelte deutlich zu machen, „dass über 80 Prozent aller Synodalen positiv dem Text zugestimmt und auch 61 Prozent von uns Bischöfen“. Overbeck sagte, dies sei „ein wichtige Zeichen“. Zum Scheitern der bischöflichen Zweidrittel-Mehrheit erklärte der sichtlich niedergeschlagene Essener Bischof: „Ich hatte damit gerechnet, dass es schwierig würde und gehofft, dass es besser ging.“ Er habe gehofft, es werde nicht geschehen.

Der Ausgang der Abstimmung bedeute, „dass wir neu fragen müssen, was die Rolle unseres Amtes und zwar nicht von uns aus gefragt, sondern von den Menschen aus gefragt, von den Gläubigen ist, aber auch von vielen von außen“, sagte der Essener Bischof. „Die Kirche lebt immer von den Menschen in dieser Zeit und das heißt, wir als Kirche leben davon“, betonte Overbeck. Umgekehrt könne auch die Kirche etwas geben. „Dieser Dialog muss aber von beiden Seiten gepflegt werden und das halte ich für eines der wichtigen Ziele aber auch wichtigen Perspektiven des Synodalen Weges“, sagte Overbeck. „Hier müssen wir weiter viel arbeiten.“

Als Bischof versichere er allen Christinnen und Christen im Ruhrbistum: „Wir werden den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und dafür viele wertvolle Impulse des Synodalen Wegs aufgreifen. Allen Menschen, denen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität in unserer Kirche oft unsägliches Leid zugefügt worden ist, sichere ich zu: Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass für Diskriminierung im Bistum Essen kein Platz ist.“

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer erklärte unterdessen, er wisse „gar nicht, was ich zu diesem ‚Paukenschlag‘ denken, fühlen, sagen soll“. Ihn erfülle „eine Mischung von Fassungslosigkeit und Zorn; aber auch von Gleichgültigkeit und Achselzucken. Für die Bischöfe ist das Abstimmungsergebnis ein Desaster.“ Es offenbare, wie groß die Kluft zwischen den Hirten und ihrem Volk mittlerweile sei und „wie weit die Überzeugungen in unserer Kirche auseinanderliegen“.

Dies sei gleichzeitig nicht überraschend: „Die konservativen Kräfte in unserer Kirche vertreten ihre Positionen mit großer römischer Unterstützung und einem bemerkenswert absoluten Wahrheitsanspruch. Von Veränderungsbereitschaft ist da wenig bis nichts zu spüren – und das wird die Krise unserer Kirche verschärfen und immer mehr Menschen aus ihr vertreiben“, so Pfeffer. „Diejenigen, die ständig vor Spaltung warnen, treiben sie immer weiter voran. Ich fühle mit den vielen bitter enttäuschten Synodalen in Frankfurt und hoffe dennoch, dass der Weg irgendwie weitergeht.“

Die Caritas im Bistum Münster zeigte sich „entsetzt“ von der Ablehnung durch die Bischöfe. Die Caritas arbeite nach dem Leitsatz „Wir nehmen Menschen an, wie sie sind“, teilte der Sozialverband mit. „Durch die Ablehnung sehen wir uns in dieser Haltung nicht respektiert und in unserer Beratung, Pflege und Begleitung von Menschen gefährdet. Wir erwarten von den Bischöfen die Anerkennung der Lebenswirklichkeit von Menschen in Kirche und Gesellschaft.“

In der Sache geht es um ein Grundsatzpapier für die Öffnung der katholischen Sexualmoral. Darüber hatte am Donnerstag die derzeit stattfindende Vollversammlung des Synodalen Wegs – ein Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland – abgestimmt. Das Dokument scheiterte an einer Sperrminorität der Bischöfe. Nach einer sehr emotionalen Aussprache berieten die anwesenden Bischöfe und übrigen Delegierten daraufhin in getrennten Krisensitzungen bis in die Nacht hinein über das weitere Vorgehen. Am Freitag setzten die Delegierten ihre Debatte fort.