„Sprachpapst“: Trauer um Wolf Schneider

Er galt als „Sprachpapst“: Der bekannte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider ist in der Nacht zum Freitag in Starnberg bei München gestorben.
Er galt als „Sprachpapst“: Der bekannte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider ist in der Nacht zum Freitag in Starnberg bei München gestorben. Dies berichtete die Süddeutschen Zeitung am Freitag unter Berufung auf die Familie. Wolf Schneiderwurde 97 Jahre alt. Der in Erfurt geborene Autor leitete viele Jahre die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, wo er ganze Generationen von Journalisten unterrichtete und dadurch den deutschen Journalismus entscheidend prägte. Schneider ist durch seine vielen Sachbücher über Sprache und Stil wie etwa den Bestseller "Deutsch für Profis" auch einem breiteren Publikum bekannt.

Wolf Schneider (* 7. Mai 1925 in Erfurt) war ein deutscher Journalist, Sachbuchautor und Sprachkritiker. –Foto: Sven Teschke via wikimedia/CC BY-SA 3.0 DE

Er galt als „Sprachpapst“: Der bekannte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider ist in der Nacht zum Freitag in Starnberg bei München gestorben. Dies berichtete die Süddeutschen Zeitung am Freitag unter Berufung auf die Familie.

Schneider prägte ganze Generationen von Journalisten

Wolf Schneider wurde 97 Jahre alt. Der in Erfurt geborene Autor leitete viele Jahre die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, wo er ganze Generationen von Journalisten unterrichtete und dadurch den deutschen Journalismus entscheidend prägte. Schneider ist durch seine vielen Sachbücher über Sprache und Stil wie etwa den Bestseller “Deutsch für Profis” auch einem breiteren Publikum bekannt.

Er arbeitete ab 1947 für die Neue Zeitung in München, wo er auch seine journalistische Ausbildung absolvierte. Es folgten Stationen als Korrespondent der Nachrichtenagentur AP und bei der Süddeutschen Zeitung. Später arbeitete er als Verlagsleiter des Magazins Stern sowie als Chefredakteur der Welt. Schneider moderierte außerdem neun Jahre die NDR Talk Show.

Sprachliche Verrenkungen und theologische Wortgespinste

Schneider unterzog auch die theologische Sprache seiner Kritik. Die Sprache in Predigten sei in den meisten Fällen nicht so gewesen, dass sie auch Kirchenferne und Zweifelnde hätte erreichen können, stellte er schon vor Jahren bei einer Analyse fest. „Wer nicht tief im Glauben verwurzelt und überdies in der Kunst geistlicher Rede bewandert ist, der hatte Mühe, den Sinn von Sätzen zu erfassen wie ‘Gott hat sein Gottsein hinter sich gelassen’ oder ‘Gott selbst bietet sich in seinem eigenen Sohn als Geisel an, damit wir im Austausch die Freiheit aus der Knechtschaft des Bösen erlangen’“, kritisiert Schneider.

Mit solchen sprachlichen Verrenkungen und manchen theologischen Wortgespinsten hätten sich sowohl Jesus als auch Luther “um ihren Welterfolg gebracht”, stellte er  auf Basis der Lektüre in den Weihnachts- und Neujahrspredigten 36 katholischer und evangelischer Bischöfe des Jahres 2008 fest. Andererseits fand Schneider bei der Analyse der Ansprachen von 17 evangelischen und 19 katholischen Bischöfen auch “schlichtes biblisches Deutsch” zwischen “rügenden, metaphysisch überladenen Worten”.

„Qualität, so sein berühmtester Spruch, kommt von Qual – und so behalten wir ihn in Erinnerung“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Verstorbenen als “prägende, große Persönlichkeit im journalistischen Leben unseres Landes”. Er habe Generationen von Journalistinnen und Journalisten mit seinem Stil, seiner Ästhetik und auch mit seinem Anspruch geprägt, schreibt der Bundespräsident in einem Kondolenzschreiben an Witwe Elisabeth-Charlotte Schneider. “Und wir alle, die wir heute Zeitungen, Zeitschriften oder Onlinedienste lesen; die wir Nachrichten hören oder sehen; wir alle, die wir als Bürgerinnen und Bürger jeden Tag mit Medien zu tun haben, wir haben ihm viel zu verdanken.”

Der Leiter der Henri-Nannen-Schule, Christoph Kucklick, würdigte die Arbeit Schneiders: Dessen Ziel sei gewesen, die beste Ausbildungsstätte für Journalisten in Deutschland zu etablieren. “Dies hat er ohne Zweifel erreicht – mit harter Hand, höchsten Standards und unter großem Einsatz für seine Schülerinnen und Schüler”, so Kucklick. Er habe auch weit über die Schule hinaus gewirkt und viele Journalistinnen und Journalisten den treffenden Ausdruck gelehrt. “Qualität, so sein berühmtester Spruch, kommt von Qual – und so behalten wir ihn in Erinnerung: als qualitätsversessenen, kantigen, klugen, scharfzüngigen Mann mit einem großen Herz, das er auch zu verbergen wusste.”

rwm