Hongkongs Kardinal im Ruhestand wird Bistumsverwalter

Papst Franziskus hat den 79-jährigen Kardinal John Tong Hon aus dem Ruhestand übergangsweise zurück an die Spitze des Bistums Hongkong berufen. Das meldete der vatikanische Pressedienst Asianews (Montag).

Tong, der das Bistum von 2009 bis 2017 leitete, ersetzt bis auf weiteres seinen Nachfolger Michael Yeung Ming-cheung, der am vorigen Donnerstag mit 73 Jahren gestorben war. Mit dem Bistum Hongkong unterhält das Bistum Essen seit den 1960er Jahren eine Partnerschaft.

Kardinal Tong. (Foto: Waldenfels)

Der Vatikan selbst teilte die Personalie nicht mit. Tong gilt als ein Architekt des im September geschlossenen Abkommens zwischen China und dem Heiligen Stuhl über Bischofsernennungen. Tongs Vorgänger Kardinal Zen Ze-kiun (86) ist ein entschiedener Gegner einer solchen Annäherung, weil er daraus Nachteile für die katholische Untergrundkirche in China befürchtet.

Weihbischof Joseph Ha Chi-shing ein möglicher Nachfolgekandidat

Der Pressedienst Asianews gab Befürchtungen wieder, die Ernennung Tongs zum Apostolischen Administrator für Hongkong solle China entgegenkommen. Nach anderen Stimmen sei Tong eine neutrale Wahl für eine Übergangszeit. Damit bleibe Hongkongs Weihbischof Joseph Ha Chi-shing (59) ein möglicher Kandidat für die ordentliche Nachfolge. Ha engagierte sich laut Asianews für gefangene chinesische Bischöfe, Mahnwachen für das Massaker am Tiananmen und mehr Demokratie.

Wie der vatikanische Pressedienst Asianews meldete, erlag Yeung Ming-cheung am Donnerstag einer Tumorerkrankung. Der aus Shanghai stammende Yeung leitete das Bistum in der chinesischen Sonderverwaltungszone mit 590.000 Katholiken seit August 2017.

Overbeck würdigte Yeung

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck würdigte Yeung als einen Priester, dem soziale Gerechtigkeit und Jugend besonders am Herzen gelegen hätten. „Seine Aufgaben bei der Caritas und seine große Aufmerksamkeit für soziale Problemehaben seinen Dienst in schwierigen Zeiten, gerade im Blick auf die sich anders als bisher entwickelten Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und dem Heiligen Stuhl, besonders geprägt“, sagte Overbeck in seinem Beileidsschreiben an Kardinal John Tong Hon.

Yeung war erst vergangenen Juni gemeinsam mitseinem Weihbischof Joseph Ha Chi-shing und Macaus Bischof Stephen Lee Bun-sang zu einem turnusmäßigen Bericht im Vatikan. Der als kantige Persönlichkeit geltende Yeung zeigte besondere Aufmerksamkeit für soziale Probleme. In einem Interview mit Asianews beklagte er, viele Jugendliche in Hongkong würden ein Opfer der wirtschaftlichen Entwicklung und seien frustriert in ihrem Streben nach mehr Gerechtigkeit und Freiheit. Während des Ad-limina-Besuchs im Juni bat er nach Angaben des Pressedienstes Papst Franziskus, sich mehr der Caritas in seiner Diözese widmen zu können.

Der am 1. Dezember 1945 in Shanghai in eine katholische Familie geborene Yeung war in Hongkong aufgewachsen. Nach der Priesterweihe 1978 und ersten pastoralen Tätigkeiten studierte er Kommunikations- und Erziehungswissenschaften in den Vereinigten Staaten. 2009 wurde er Generalvikar seines Heimatbistums. Papst Franziskus ernannte ihn 2014 zum Weihbischof und im November 2016 zum Koadjutor des damaligen amtierenden Bischofs John Tong Hon.

rwm/kna
Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen