Religionsvertreter: Erinnerung an NS-Opfer unverzichtbar

Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gehört aus Sicht von Kirchenvertretern und Rabbinern „unverzichtbar zur politischen Kultur Deutschlands und Europas“. Der Erfolg der Demokratie sei auch einer Gedenkkultur zu verdanken, „die weder das Unrecht der Vergangenheit noch das antisemitische und menschenverachtende Erbe der NS-Zeit verschweigt“. Das erklärten am Donnerstag Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz bei ihrem diesjährigen Treffen in Frankfurt am Main.

Holocaust-Mahnmal in Berlin (Symbolfoto: pixabay)

Äußerungen, dass die Erinnerungskultur überfrachtet sei, fänden sich schon in den 1950er Jahren, erklärte der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Andreas Nachama. „Genau deswegen ist unsere gemeinsame Erinnerungsarbeit notwendig.“ Die Aufgabe heute sei, dafür zu sorgen, dass Völkermorde „möglichst nie wieder“ passierten.

„Nicht auf eine Opferrolle festgelegen“

Julian-Chaim Soussan von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland erklärte, er wolle die „Bedeutung der Erinnerungskultur für die Demokratie“ zwar nicht schmälern. Allerdings dürften Juden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf eine Opferrolle festgelegt werden. Es gelte, „den Reichtum der jüdischen Tradition und die Lebendigkeit des gegenwärtigen Judentums“ stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, erinnerte an die Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000. Ein kritischer Blick müsse auch auf kirchliche Traditionen gerichtet werden, um das Erbe antijüdischer Vorurteile zu überwinden: „Da haben wir in der Kirche noch einen weiten Weg vor uns – auch in der Verkündigung und Katechese, denn viele Katholiken haben noch falsche Vorstellungen vom Judentum.“

Würdigung und Anerkennung vergangenen Leidens

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm unterstrich die Rolle einer „jüdisch-christlichen Überlieferung für eine öffentliche Erinnerungskultur“. Er sagte: „Indem die Kirche gemeinsam mit den jüdischen Geschwistern öffentlich für das Gedächtnis der Opfer der Geschichte eintritt, indem sie verhindert, dass die Opfer von Ungerechtigkeit den endgültigen Tod durch das Vergessen erleiden, schafft sie die Voraussetzung für ein Erinnern, das gerade durch die Würdigung und Anerkennung vergangenen Leidens neues Leiden verhindert.“

kna

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