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„Die spinnen, die Götter“ – Zum Tod des Asterix-Miterfinders Albert Uderzo

Beim Teutates! Comicfreunde auf aller Welt trauern um Albert Uderzo. Der Miterfinder und jahrzehntelange Zeichner von Asterix und Obelix ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Albert Uderzo (Foto:© Régis Grébent/Egmont)

Bei Belisama, beim Belenus, bei Taranis – ach was, beim ganzen Götterhimmel! Nur eine einzige Sache gibt es, vor der sich echte Gallier fürchten: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Im übertragenen Sinne ist das für die Freunde von Asterix und Obelix schon einmal geschehen: 1977, beim Tod von Rene Goscinny. Nun hat sich Albert Uderzo für immer von seinen Fans verabschiedet, wie seine Familie am Dienstag mitteilte.

Der 1927 in Fismes bei Reims geborene Sohn italienischer Einwanderer malte schon als Jugendlicher gern und gut, entschied sich jedoch zunächst für eine solide Schreinerlehre. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg startete Uderzo dann seine Laufbahn als Comiczeichner. Mit Figuren wie Belloy, dem Ritter ohne Rüstung, machte er auf sich aufmerksam.

Doch erst die Begegnung mit Autor Rene Goscinny machte 1952 aus dem virtuosen Zeichner und dem wortgewaltigen Texter ein kongeniales Team. Zusammen setzten sie erste Duftmarken mit Gestalten wie dem Indianer Umpah-Pah oder dem Detektiv Luc Junior. Aber keines ihrer Projekte wurde auch nur annähernd so erfolgreich wie die Geschichten um Asterix.

Nicht nur in Frankreich, wo der 1959 erfundene kleine Gallier als Nationalheld Kultstatus genießt, sondern vor allem auch in Deutschland ist Asterix enorm populär. Dabei waren die ersten Begegnungen zwischen beiden Nationen wenig schmeichelhaft. Im frühen Band „Asterix und die Goten“ aus dem Jahr 1963 dringen die Westgoten ins Land der Gallier ein.

Die Deutschen und ihre Vorfahren werden dabei als kriegslüsternes Volk gezeichnet; alte französische Klischees finden ihre Entsprechung. „Wir haben uns auf unsere Kenntnis aus Büchern gestützt, und unser Bild war noch durch die Kriegszeit geprägt“, verriet Uderzo 2012 beim Besuch einer saarländischen Asterix-Schau. Um Revanche sei es aber nicht gegangen: „Wir wollten nie Rache nehmen, sondern wir haben die Deutschen damals auf lustige Weise gezeigt – die Deutschen, ich spreche nicht von den Nazis.“

1977, als der 24. Band „Asterix bei den Belgiern“ kurz vor der Veröffentlichung stand, starb Goscinny im Alter von nur 51 Jahren. Uderzo entschied sich, fortan allein weiterzumachen. Seine Helden zogen weiter hinaus als je zuvor, bis ins Morgenland und auf die Insel Atlantis. Schließlich wurde das kleine Dorf gar von Außerirdischen heimgesucht – für viele Fans ein Tiefpunkt der Reihe.

Trotz immer exotischerer Kulissen ließ sich nicht leugnen, dass die genialen Einfälle Goscinnys fehlten. Doch Uderzo legte, wenn auch in immer größeren Zeitabständen, knapp ein Dutzend weitere Abenteuer vor, die sich reißend verkauften. Asterix wurde zum Millionengeschäft. Doch der Erfolg führte 2009 zu einem öffentlichen Zerwürfnis mit Tochter Sylvie.

Während die Fans darüber rätselten, ob Asterix auch nach dem Tod seines Schöpfers weiterleben würde, fochten Albert und Sylvie einen harten Kampf um Anteile aus, den sie erst Jahre später beilegten. Mit 84 Jahren entschied der Altmeister dann, sich schrittweise zurückzuziehen. Er bewies einen guten Riecher und setzte auf ein Nachfolge-Duo. Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad präsentierten 2013 ihren ersten Band „Asterix bei den Pikten“, zuletzt im vergangenen Jahr „Die Tochter der Vercingetorix“.

Bei Kritikern wie Fans kam der Neustart gut an, knüpfte er doch an den früheren Wortwitz und Esprit an. Altmeister Uderzo verriet einmal, er selbst habe eine Schwäche für Obelix. „Aber im Grunde ist der wahre Held das ganze Dorf mit seinen verschiedenen Bewohnern.“

Schlagzeilen machte Uderzo vor fünf Jahren noch einmal, nach dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, noch einmal Schlagzeilen. Er ließ den wütenden Asterix auf einen römischen Legionär eindreschen und rufen: „Moi aussi, je suis un Charlie – ich bin auch ein Charlie“.

Auch ein weiteres Bild ging damals um die Welt. Es zeigt, wie Asterix mit einer Rose in der Hand, Obelix und Hund Idefix sich in Trauer verneigen. Nun ist Uderzo im Alter von 92 Jahren gestorben. Nicht nur die Gallier, auch eine weltweite Fangemeinde ziehen ihre Helme vor dem Zeichner. Ein kleiner Trost bleibt: Sein Dorf der Verrückten wird weiterleben.

Von Karl Peters (KNA)
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