Der große Bruch in der Orthodoxie

In der orthodoxen Kirche hat sich der Machtkampf zwischen den beiden Zentren Moskau und Konstantinopel (Istanbul) um die Ukraine weiter zugespitzt. So hat der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche beschlossen, die Kontakte zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel vollständig abzubrechen, wie der  kirchliche Außenamtschef Metropolit Hilarion am Montagabend in der weißrussisschen Hauptstadt Minsk nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen mitteilte.

Der Russischer Patriarch Kyrill (Foto: © Belish | Dreamstime.com)

Es sei „unmöglich“, die „eucharistische Gemeinschaft“ mit Geistlichen und Laien des Patriarchats von Konstantinopel fortzusetzen, heißt es im Beschluss des in Minsk tagenden Leitungsgremiums der Kirche. Solange Konstantinopel seine „antikanonischen Entscheidungen“ nicht widerrufe, dürften Laien keine Sakramente des Patriarchats von Konstantinopel empfangen.

Die russische Kirche wirft Konstantinopel vor, mit der Rehabilitierung zweier für die Spaltung der ukrainischen Orthodoxie verantwortlicher Kirchenführer die Teilung der Kirche in dem Land verstärkt zu haben. Ähnliche Sanktionen hatten vor wenigen Jahren auch die orthodoxen Patriarchate von Jerusalem und Antiochien gegeneinander verhängt.

Die Patriarchate von Moskau und Konstantinopel streiten seit Monaten über die Zuständigkeit für die Ukraine. Konstantinopel unterstützt die Gründung einer autokephalen (eigenständigen) und damit von Moskau unabhängigen Kirche in der Ukraine. Dadurch droht die russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine viele Gläubige und Gotteshäuser zu verlieren. Moskau will die Oberhoheit über die Ukraine behalten und wirft Konstantinopel eine „Invasion“ in das Territorium der russischen Kirche vor.

Bereits Mitte September hatte die russische Kirche ihren Bischöfen die Konzelebration mit Bischöfen von Konstantinopel verboten. Auch die Mitarbeit in kirchlichen Gremien, die von Konstantinopel geleitet werden, setzte sie aus. Vorausgegangen war die Entsendung zweier Bischöfe durch Bartholomaios I. in die Ukraine. Sie sollten dort die Bildung einer autokephalen und vereinten Kirche vorbereiten. In dem Land gibt es drei orthodoxe Kirchen, von denen eine mit Moskau verbunden ist. Rund 70 Prozent der Ukrainer sind orthodoxe Christen.

Auch Russlands Regierung hatte die Initiative des Ökumenischen Patriarchats für die Ukraine verurteilt. Außenminister Sergej Lawrow nannte es eine „Provokation“, dass sich Konstantinopel in der Ukraine zweier „schismatischer Kirchen“ bediene. Washington habe das direkt unterstützt und so unzulässig in Kirchenangelegenheiten eingegriffen. Die mögliche Loslösung der Ukraine von der russisch-orthdoxen Kirche beschäftigte am Freitagabend auch den von Staatspräsident Wladimir Putin geleiteten russischen Sicherheitsrat.

kna/rwm

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns, dass Sie sich für unsere journalistischen Angebote interessieren. Lesen Sie einen ausführlichen Hintergrundbericht hier oder in unserer gedruckten Ausgabe 42/2018

Die Orthodoxen Kirchenführer überwerfen sich. Der Nationalismus obsiegt über die Ökumene. Moskaus Sanktionen treffen auch Berg Athos.

Der Russischer Patriarch Kyrill (Foto: © Belish | Dreamstime.com)


Noch am 31. August saßen sich die orthodoxen Patriarchen Kyrill I. und Bartholomaios I. gegenüber. Zweieinhalb Stunden besuchte der russische Patriarch den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in dessen Residenz in Istanbul. Zu so einer Begegnung wird es auf absehbare Zeit nicht mehr kommen. Denn Kyrill I., Oberhaupt von schätzungsweise 150 Millionen russisch-orthodoxen Christen, hat gemeinsam mit den leitenden Bischöfen seiner Kirche beschlossen, die Kontakte zum Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, und dessen Ökumenischem Patriarchat vollständig abzubrechen.
Mitgliedern der russisch-orthodoxen Kirche ist demnach verboten, in Kirchen des Ökumenischen Patriarchats zur Kommunion zu gehen oder zu beichten. Zugleich soll Angehörigen des Ökumenischen Patriarchats in russisch-orthodoxen Kirchen keine Kommunion und keine Beichte mehr gewährt werden. Betroffen sind von den Sanktionen auch die vielen russischen Geistlichen und Pilger auf dem Heiligen Berg Athos in Nordgriechenland. Der Berg und die dortigen Klöster unterstehen dem Patriarchat von Konstantinopel. Das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten ist nun tabu.
Überworfen haben sich die orthodoxen Kirchenzentren Moskau und Konstantinopel (Istanbul) im Streit um die Oberhoheit für die Ukraine. Die russische Kirch…
Danke, dass Sie diesen Auszug aus dem kostenpflichtigen Beitrag gelesen haben. Sie können den vollständigen Beitrag lesen, nachdem Sie ihn gekauft haben.
Neues Ruhr-Wort Premium

Diesen Artikel
Der große Bruch in der Orthodoxie
1,69
EUR

24-Stunden-Pass
24 Stunden Zugang zu allen Inhalten dieser Website
2,29
EUR
Monatsabo
1 Monat Zugriff auf alle Inhalte dieser Website (jederzeit kündbar)
7,60
EUR
Powered by
Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen