Werdener Propstei St. Ludgerus hat das Votum übergeben

Das bereits beim Bistum eingereichte Votum zum Pfarreientwicklungsprozess (PEP) wurde am Freitag in St. Ludgerus verteilt. (Foto: Asgard Dierichs)

Alle, die sich für die Zukunft von St. Ludgerus in Essen einsetzen wollen, sind jetzt gefordert. In Ruhe will man die Umsetzung des Votums angehen, das am Freitag öffentlich in einer gut besuchten Versammlung im Forum des Mariengymnasiums präsentiert wurde. Tags zuvor hatte ein Team um Propst Jürgen Schmidt das 40-seitige Papier persönlich im Generalvikariat überreicht.

Wie erwartet, bleibt die Basilika in Werden Pfarrkirche. Auch St. Lucius wird langfristig erhalten und bekam A-Status. In der Fläche will man präsent und nah bei den Menschen sein, alle Gemeinden bleiben bestehen. Langfristig soll die Pfarrei über zwei Standorte in Essen-Werden und Bredeney verfügen. Die Kirche St. Markus an der Frankenstraße soll umgebaut oder saniert werden. Alternativ wird ein Neubau in Betracht gezogen. Aufatmen dürfen die Gläubigen in Haarzopf: Ihr Gotteshaus am Tommesweg hat mit der Kategorisierung in „B“ zunächst noch mindestens zehn Jahre Zukunft. Befürchtet hatte man den baldigen Abriss. Konkrete Pläne über einen möglichen Umbau zur multifunktionalen Nutzung des gut erhaltenen Gebäudes sollen nicht vorliegen. Bis 2030 sind es noch zwölf Jahre. „Wir wollen die Zeit nutzen, aber die Dinge nicht überstürzen!“, betonte Propst Schmidt. Nach einer dreimonatigen Pause soll ein Zeitplan für einzelne Schritte in den vier Gemeinden Christus König (Haarzopf), St. Kamillus (Heidhausen und Fischlaken), St. Ludgerus (Werden) und St. Markus (Bredeney) erstellt werden.

„Ohne Aufgabe einzelner Objekte geht es nicht!“

Auf der großen Fläche von rund 50 Quadratkilometern befinden sich 26 kirchliche Gebäude. Die überwiegend älteren Pfarreimitglieder – der Anteil der 60- bis 85-Jährigen liegt laut Statistik deutlich über dem Bistumsdurchschnitt – müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. Das Bistum stellt allen rund 790 000 Katholiken in den insgesamt gut 40 Pfarreien an Rhein und Ruhr für Bauvorsorge keine Mittel mehr zur Verfügung. Dafür müssen sie jetzt selbst sorgen. „Ohne Aufgabe einzelner Objekte geht es nicht!“, erläuterte Dr. Michael Weyand vom Kirchenvorstand.

So soll die Kirche Christi Himmelfahrt einer dringend benötigten Kita Platz machen. Einige Fischlaker hatten auf einen Umbau gehofft, Pläne dazu erstellt und eingereicht. Die Koordinierungsgruppe berief sich auf die Experten des Bistums: Die hatten in einem Gutachten hohe Kosten zur Sanierung der feuchten Kirche prognostiziert. Konkrete Zahlen wurden allerdings nicht öffentlich gemacht. „Das hier vorhandene Gebäude ist in seinem aktuellen Zustand auf Dauer nicht weiter nutzbar“, liest man dazu auf Seite 31 der gedruckten Votumsfassung. Mit der evangelischen Jona-Gemeinde soll über gemeinsame Räume verhandelt werden. Auf dem Kirchengelände an der Wintgenstraße will man eine neue Kita errichten. Dort soll auch Platz für Versammlungen sein, so der Plan. Die Kirche St. Kamillus in Heidhausen wird als Teil des Ordenszentrums erhalten. Die Kamillianer-Kommunität will man auf Dauer sichern. „Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten der Finanzierung“, hofft Schmidt.

Einsparungen beim Personal

Auch Einsparungen beim Personal seien unumgänglich, Kündigungen jedoch unnötig. Mit derzeit sieben Priestern und zwei Diakonen stünde man im Vergleich gut dar, hieß es. Wie vielerorts gewinnt das Ehrenamt an Bedeutung. Laien werden bald verstärkt Dienste als Küster, Organist und Hausmeister verrichten, aber auch Beerdigungen und andere kirchliche Aufgaben stemmen.

Der Kinder- und Jugendarbeit kommt in St. Ludgerus eine hohe Bedeutung zu: Ein Jugendbeauftragter soll eingestellt werden, finanziert aus Mitteln der Diözese oder Beiträgen der Fördervereine. Die neue Kraft soll das Pastoral-Team ergänzen und die Wünsche der Jüngeren vermitteln. Haarzopf und Fischlaken bieten zentrale Anlaufstellen für den Nachwuchs in der Pfarrei. Das Jugendheim in Werden will man zumachen. Unter dem Leitbild „zusammen wachsen“ sollen jedoch in allen Stadtteilen Begegnungsstätten erhalten oder neue geschaffen werden.

Bedenken und Kritik

Bedenken und Kritik am Votum wurden in der abschließenden Diskussion deutlich. Die Pfadfinder in Haarzopf möchten in die Pläne zur Nutzung der Räume einbezogen werden. Sorgen brachten die Bredeneyer Messdiener vor. Sie befürchten lange Anfahrtswege zu den Gruppenstunden. „Wie kann man in St. Kamillus das Gemeindezentrum schließen?“, fragte eine Zuhörerin. Aus St. Markus kam ein Einwand zur Aufgabe des Elisabethheimes an der Frankenstraße. In diesem Fall müsste die Bücherei umziehen. Die KÖBs will sich St. Ludgerus weiter überall leisten: Die Medienausleihen seien niederschwellige Angebote für Nicht-Kirchgänger und zudem unverzichtbar zur Weitergabe des Glaubens. Neue oder ehemalige Gläubige will man mit einem zentralen Café in Werden erreichen.

Am Ende der Versammlung gab es Blumen für den Koordinierungskreis. Ein Strauß wurde abgelehnt – aus Solidarität zu einem engagierten Gemeindemitglied aus Fischlaken. Der Mann verließ das Gymnasium in der Fragerunde Hals über Kopf. Zuvor hatte er bemängelt, dass die Eingaben aus Christi Himmelfahrt nicht beantwortet worden seien. Man habe alle Briefe gelesen, versicherte Schmidt. Zudem sei die Zukunft nicht festgeschrieben. Das Votum biete an jedem Standort Alternativen. Die gedruckte Ausgabe ist auf der Versammlung sowie zu den Gottesdiensten am Wochenende als Heft verteilt worden. Einzelne Exemplare sind im Pfarrbüro an der Brückstraße sowie in den Kirchen erhältlich.

Asgard Dierichs
Neues Ruhr-Wort

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