St. Johann: Nachbesserungsbedarf bei Vertrag

Der Pfarrgemeinderat der Altenessener Pfarrei St. Johann Baptist hat am Dienstagabend über den ersten Entwurf des Kaufvertrags für die Pfarrkirche am Karlsplatz diskutiert. In der öffentlichen Sitzung nahmen auch rund 80 weitere Mitglieder der Pfarrei die Gelegenheit wahr, um erstmals Details aus dem Vertragsentwurf zu erfahren, den der katholische Krankenhaus-Betreiber Contilia der Pfarrei vorgelegt hat.

(Foto: wiki05/wikimedia)

Contilia möchte auf dem Gelände des bisherigen Marienhospitals und der Kirche St. Johann Baptist ein modernes, größeres Krankenhaus bauen, in dem es dann auch eine neue Kirche für die Gemeinde St. Johann Baptist gibt.

In der Diskussion stand hierbei die Größe dieser künftigen Kirche stand am Dienstagabend in der Diskussion. Im ersten Vertragsentwurf der Contilia sei bislang von einer Kirche „mit rund 150 Quadratmetern Fläche und ca. 100 Sitzplätzen“ die Rede, erläuterten die Juristen Marcus Klefken, Leiter des Dezernats Kirchengemeinden im Bistum Essen, und Rudolf Gewaltig aus der Stabsabteilung Recht des Bistums, die den Vertragsentwurf in der Sitzung auf Wunsch des Kirchenvorstands vorstellten.

„Luft nach oben“

Auch der Kirchenvorstand habe diesen Punkt bereits kritisiert, so Klefken, „da ist noch Luft nach oben“. Ein Gast der Sitzung verwies darauf, dass in St. Johann Baptist regelmäßig 350 Gläubige die Sonntagsmesse besuchten. „Hier wird auf jeden Fall nachverhandelt“, sagte Klefken. Wichtig sei, „dass im Vertrag überhaupt eine Zahl steht“, so Gewaltig. Damit könne „eine Mindestzahl rechtlich abgesichert werden. Dass diese Zahl so hoch wie möglich sein sollte, darin sind wir uns einig.“ Ulrich Hütte, der Kirchenvorstands-Vertreter im Pfarrgemeinderat, bekräftigte, Ziel sei es, in den Verhandlungen mit Contilia „das Bestmögliche für die ganze Pfarrei und die Gemeinde herauszuholen“. Wenn der Vertrag am Ende “nicht entsprechend aussieht, werden wir nicht unterschreiben“.

Das weitere Verfahren sieht den Angaben zufolge vor, dass sich der Kirchenvorstand in seiner nächsten Sitzung am 11. Februar mit den Einwänden und Ergänzungsvorschlägen zum Vertragsentwurf befasst, die aus den eigenen Reihen, vom Pfarrgemeinderat und von anderen Pfarr-Mitgliedern eingegangen sind. Danach werde eine Verhandlungsgruppe des Kirchenvorstands die Themen mit Contilia debattieren.

Umbau des Jugendheims

Aus Sicht der Gemeinde  werde auch der noch nicht fixierte Beitrag der Contilia zum Umbau des Jugendheims noch ein Diskussionspunkt werden. „Es gibt jede Menge Ideen, zum Beispiel einen behindertengerechten Aufzug, eine professionelle Küche, eine Vergrößerung des Saals im Erdgeschoss und eine Aufrüstung des Außengeländes“, sagte Hütte. Dies müsse mit Contilia verhandelt werden. Der ausverhandelte Vertrag werde dann dem Pfarrgemeinderat vor der abschließenden Beschlussfassung durch den Kirchenvorstand vorgelegt, so Klefken.

Bereits im vorliegenden ersten Vertragsentwurf sei festgelegt, dass es außer der Kirche auch eine Sakristei und ein Pfarrbüro im Klinik-Gebäude geben werd. Außerdem würden Versammlungsräume des Krankenhauses ebenfalls für die Gemeinde nutzbar sein. Kirche und die Sakristei würden im Grundbuch als „Dienstbarkeiten“ eingetragen und damit langfristig gesichert, betonte Gewaltig.

Bisheriges Inventar einbringen

Dies sei wichtig, falls das Krankenhaus irgendwann einmal den Besitzer wechseln sollte: „Da kann dann nicht ein neuer Besitzer gegen den Willen der Pfarrei die Kirche verändern“, erläuterte Gewaltig. Im Vertrag sei ebenfalls festgelegt, dass die Kirche einen eigenen, ebenerdigen Eingang zum Karlsplatz erhalten werde und dass die Gemeinde das Inventar ihrer bisherigen Kirche nach dem Verkauf mitnehmen und in die neue Kirche einbringen könne.

Ein gemeinsamer Ausschuss mit Vertretern von Kirchengemeinde und Contilia sowie Kirchenkunst-Experten soll den Angaben zufolge die Gestaltung der neuen Kirche im Krankenhaus beraten. Dies sei auch so im Vertragsentwurf bereits vorgesehen. Zudem lege der Entwurf fest, dass die Kirche nach dem Verkauf „noch mindestens ein Jahr lang“ von der Gemeinde genutzt werden kann. Der Pfarrgemeinderat plädierte dafür, über den Kaufvertrag so gut wie möglich abzusichern, dass die bisherige Kirche tatsächlich erst dann abgerissen werde, wenn Contilia das Krankenhaus mit der neuen Kirche auch tatsächlich baut.

Lösung für Bücherei und Kleiderkammer

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Rüsing erklärte es müsse auch für Bücherei und die Kleiderkammer eine Lösungen gefunden werden. Gerade bei der Bücherei gebe es durchaus die Idee, dass diese mit einem Standort im Krankenhaus künftig sowohl den Gemeindemitgliedern als auch den Patienten zur Verfügung stehen könnte. In der Aussprache über den Vertragsentwurf gab es zahlreiche Nachfragen und Kommentare. Einige Gäste stellten zudem das gesamte Vertragswerk in Frage und wünschten sich eine breitere Diskussion über mögliche Alternativen zum Krankenhaus-Neubau auf dem Kirchengelände.

Rüsing verwies darauf, dass die Contilia-Vertreter in der Pfarrversammlung im Dezember ausführlich dargelegt hätten, dass ein Klinik-Neubau am Standort St. Johann Baptist werden der benötigten Grundfläche nur unter Einbeziehung des Kirchengrundstücks funktioniere  – und in Altenessen sowie in den anderen Stadtteilen des Essener Nordens kein anderer geeigneter Standort für ein neues Krankenhaus zur Verfügung stehe.

Offener Brief

Unterdessen hat sich die Initiative „Rettet St. Johann“ in einem Offenen Brief an den Pfarrgemeinderat gewandt, „sich die zwingend notwendige Zeit zu nehmen, die Vertragsentwürfe zu lesen, zu verstehen, zu hinterfragen, Änderungswünsche aufzugeben und nach Alternativen zu fragen, die einen Krankenhausneubau und den Erhalt der Kirche ermöglichen“

Es gebe „inzwischen rund 1.000 Unterstützer der Kirche St. Johann Baptist“, die „durch ihre Unterschrift ihren Unmut und ihr Unverständnis über die Entscheidung des Kirchenvorstands und des Bistums ausgedrückt“ haben. Bei der  der Wahl zum Pfarrgemeinderat habe der höchste Stimmenanteil „gerade einmal 180 Stimmen betrug. Hier wird das Verhältnis sehr deutlich, welchen großen Teil der aktiven Gemeinde wir vertreten.“

spe
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