Expertin warnt: Vergleiche in Sozialen Medien machen unglücklich

Ständige Vergleiche über die Sozialen Medien machen nach Worten der Kommunikationswissenschaftlerin Bianca Kellner-Zotz eher unglücklich. "'Jetzt sind die Nachbarn schon wieder nach Thailand geflogen, die Kollegen hat eine tolle Torte für ihre Tochter gebacken - und ich kriege das alles nicht hin'. Diese Art des Vergleichs ist toxisch", sagte die Autorin. Zahlreiche Studien belegten diese Beobachtung. Mediale Aufmerksamkeit sei für viele Menschen "eine Form der Belohnung, die wir frei Haus geliefert bekommen", erklärte die Expertin. "Der Durchschnittsmensch wünscht sich, dass andere ihn als aktiv, modern und außergewöhnlich wahrnehmen. Diese Sehnsucht ist nicht neu, hat aber durch die Folie der Medien eine neue Qualität bekommen."

(Symbolbild: Gerd Altmann)

Um diese Aufmerksamkeit zu erhalten, müsse ständig dokumentiert werden, "wie glücklich wir sind", so Kellner-Zotz weiter. Denn: "Unsere Gesellschaft honoriert sichtbare Leistung und Aktivität. Wer nicht ständig beschäftigt ist - und hier zählen vor allem ein angesehener Beruf und tolle Freizeitbeschäftigungen -, der bekommt keine Anerkennung."

Dadurch nehme eine "Eventisierung" in vielen Familien zu, sagte die Forscherin. "Was in Deutschland gerade erst ankommt, sind sogenannte Baby-Shower-Partys, wenn die Frau schwanger ist." Insgesamt sind Mütter laut ihrer Studie besonders anfällig für den Druck durch Soziale Medien. "Sie sollen alles machen: arbeiten, Kinder kriegen, sich in der Kita und im Verein engagieren. Wertschätzung erhalten aber diejenigen, die eine große Karriere machen." Zudem wolle niemand etwas verpassen, das wichtig für das eigene Kind sein könnte.

Kellner-Zotz betonte, ihr gehe es nicht um ein Zurückdrehen dieser Entwicklung. "Es ist ja beispielsweise schön, der weit entfernten Oma ein Bild vom Baby zu schicken." Weniger nachvollziehbar sei, warum etwa ein Foto der selbstgebastelten Schultüte auf Facebook oder Instagram gepostet werde: "Außer, um die Mutterliebe für alle anderen zu visualisieren." Dabei brauche es für familiären Zusammenhalt "keinen Motto-Geburtstag und kein Kinderhotel", sondern gemeinsam verbrachte Zeit. "Ein Vorsatz könnte also lauten: Wir bleiben einfach mal zu Hause."

 

„Wir alle sind diesem Regime unterworfen“

Die Familie in Zeiten von Instagram

Hochzeit, erster Schultag, Kommunion: Der Gestaltung von besonderen Anlässen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Familien geraten dadurch unter Druck, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Bianca Kellner-Zotz - zumal wenn auch jedes Alltagsereignis fotografiert und online präsentiert wird. Im Interview erklärt die Autorin, warum viele Menschen sich diesem Druck kaum entziehen können - und wie eine Alternative aussehen könnte.

Frau Kellner-Zotz, Ihr Buch heißt "Das Aufmerksamkeitsregime". Was ist das?

Kellner-Zotz: Die Grundidee ist, dass die Massenmedien eine eigene Logik verfolgen, die auf Aufmerksamkeitsmaximierung ausgerichtet ist. Was erscheint im Fernsehen? Das, was besonders auffällig ist, skandalös, mit glamourösen Personen verbunden. Diese Logik ist in viele andere gesellschaftliche Bereiche hineindiffundiert. Wir alle sind diesem Regime unterworfen, wenn wir wollen, dass unser Leben in der Öffentlichkeit stattfindet.

Warum wollen wir das überhaupt?

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Warum wollen wir das überhaupt?

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Kann sich der Einzelne diesem „Regime“ entziehen?

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Motto-Hochzeiten und groß gefeierte erste Schultage scheinen in dieselbe Kategorie zu gehören.

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Dabei machen ständige Vergleiche nicht unbedingt glücklich.

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Welche Gruppen stehen besonders unter Druck?

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Woher kommt dieser Mangel an Wertschätzung?

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Liegt in dieser Suche eine Chance für die Kirchen?

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Rechnen Sie mit einem Umdenken?

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