Ordensoberinnen: Bisher wenige Missbrauchsfälle gemeldet

Beim internationalen Dachverband katholischer Frauenorden sind bisher kaum neue Fälle sexuellen Missbrauchs gemeldet worden.

„Einige wenige Schwestern haben sich bei uns zurückgemeldet“, sagte Schwester Carmen Sammut, Vorsitzende der Internationalen Vereinigung von Generaloberinnen (UISG) am Donnerstag vor Journalisten im Vatikan. Häufiger habe es hingegen Berichte über unangemessene Annäherung besonders gegenüber jungen Ordensfrauen gegeben. Zahlen nannte Sammut, die aus Malta stammt, nicht.

Nonnen (Symbolbild: pixabay)

Ende November hatte die Vereinigung Betroffene aus ihren Reihen aufgerufen, etwaige Fälle anzuzeigen – auch bei weltlichen Behörden. Sammut ergänzte, es gehe dabei auch um Machtmissbrauch oder psychologischen Missbrauch. Alle bekannten Fälle behandle die UISG im Sinne der Opfer. „Gehorsam bedeutet nicht, ‚Ja‘ zu sagen, wenn es einen Vergewaltigungsversuch gibt. Das ist etwas sehr Schreckliches“, so Sammut. Religiöser Gehorsam sei „etwas völlig anderes“.

Die UISG trifft sich von Montag bis Freitag zu ihrer Vollversammlung in Rom, die unter dem Motto steht: „Säerinnen prophetischer Hoffnung“. Themen sollen Umweltschutz, interreligiöser Dialog, interkulturelles Zusammenleben und die Zukunft des weiblichen Ordenslebens sein. Das Thema Missbrauch, auch an Ordensfrauen, werde jenseits des offiziellen Programms thematisiert, damit die Ordensoberinnen frei sprechen könnten. Geplant sind laut Sammut auch Workshops zum Kinderschutz.

Auf diese Weise wolle die UISG ihre Mitglieder für Missbrauchsfälle sensibilisieren und sie im Umgang damit schulen. Neben Bildungsangeboten biete der Dachverband den einzelnen Kongregationen auch Hilfe bei der Erstellung von Leitlinien zu Missbrauch. Man wolle zudem den Männerorden eine gemeinsame Kommission zu Aufarbeitung und Prävention in Sachen Missbrauch von Kindern und Erwachsenen in Orden vorschlagen.

Papst Franziskus empfängt die 850 Generaloberinnen aus aller Welt am 10. Mai zum Ende ihrer 21. Vollversammlung in Audienz. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ordensnetzwerks gegen Zwangsprostitution, „Talitha Kum“, will der Papst dabei eine neue Kampagne der Ordensfrauen eröffnen. Die UISG hat laut eigenen Angaben derzeit fast 2.000 Mitglieder, die mehr als 450.000 Ordensfrauen weltweit vertreten.

kna
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