Dreßing erwartet Rücktritte von Bischöfen

egen des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker erwartet der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing Rücktritte von Bischöfen und anderen Verantwortungsträgern in der katholischen Kirche. Jeder Beschuldigte habe mehrere Mitverantwortliche, die etwas gewusst hätten, darunter Leute „in Amt und Würden“, sagte der Koordinator der von den deutschen katholischen Bischöfen beauftragten Missbrauchsstudie laut dem Online-Portal „Kirche-und-Leben.de“ am Dienstagabend in Münster. Diese Personen, auch Bischöfe und Generalvikare, müssten Verantwortung übernehmen. „Es gibt kein Unternehmen, bei dem es nicht in einem solchen Fall zu Rücktritten käme.“

Laut Dreßing ist der Missbrauch in der Kirche „ein anhaltendes, kein historisches Problem“. Die Quote der beschuldigten Priester habe in den Jahren 2009 bis 2015 gegenüber früheren Jahren nicht abgenommen. Deshalb sei Prävention unbedingt nötig. Als wichtigsten nächsten Schritt bezeichnete der Forscher die Erstellung einer großen nationalen Dunkelfeld-Studie mit belastbaren Zahlen. „Die von uns ermittelten Zahlen sind ja nur die Spitze eines Eisbergs.“

Die Bischofskonferenz hatte die Missbrauchsstudie im vergangenen Herbst veröffentlicht. Demnach wurden in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. In dieser Woche kündigte die Kirche an, für den Kampf gegen Missbrauch ein neues Institut zu gründen. Es arbeite mit Wissenschaftlern, Fachorganisationen, Präventionsexperten und Betroffenen von sexualisierter Gewalt zusammen.

Der Leiter des angekündigten „Instituts für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt“ (IPA), Oliver Vogt, sagte dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de, dass eine Forderung nach Rücktritten nicht pauschal in den Raum gestellt werden könne. „Natürlich müssen sich Verantwortliche, die dazu beigetragen haben, dass Missbrauch vertuscht und verdeckt wurde, ihrer persönlichen Verantwortung stellen. Das kann ich nicht auf eine Institution abschieben. Dann kann es sein, dass eine solche Verantwortung mit einem Rücktritt endet.“

Mit Blick auf sexualisierte Gewalt innerhalb der katholischen Kirche insgesamt sagte der bisherige Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln: „Eine Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden ist also zwingend notwendig.“ Jedoch: „Pauschal zu sagen: ‚Es muss alles an die Staatsanwaltschaft gemeldet werden‘ ist aber kritisch, weil es um Persönlichkeitsrechte von Betroffenen geht.“ Wenn sie keine Meldung wünschten und das auch schriftlich begründeten, sei man „zunächst daran gebunden“. Bei jedem Vorfall müsse aber geprüft werden, ob die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden müsse – „keine Frage.“

kna
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