Internet- und Fernsehmessen statt Kirchgang in Corona-Zeiten

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Corona und kein Ende – das lässt auch die Kirchen nicht kalt. Vermutlich werden deutschlandweit etliche Messfeiern wegen des Virus ausfallen. Die Alternative: Gottesdienst-Übertragungen.

(Symbolfoto: pajala auf Pixabay

Das Coronavirus hat auch die katholische Kirche fest im Griff. In Bielefeld schließt eine Gemeinde ihre Gotteshäuser, weil ein Mitarbeiter an dem Virus erkrankt ist. Die ersten deutschen Bistümer empfehlen ihren Pfarreien, öffentliche Gottesdienste wie in Italien, Belgien, Malta und Luxemburg ausfallen zu lassen – oder haben sie vorerst komplett abgesagt. Selbst einige Messen mit dem Papst sind nicht mehr zugänglich. Ein kleiner Ersatz: Die Feiern werden live im Internet gesendet.

 

Sich Gottesdienste als Übertragung anzusehen oder anzuhören, hält der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann von der Universität Erfurt in Corona-Zeiten für eine gangbare Alternative. Fernseh- und Radio-Gottesdienste hätten sich schon lange etabliert. Aber: „Die tatsächliche Versammlung der Gemeinde würde ich favorisieren.“ Während einer katholischen Messfeier würden viele Zeichen verwendet, zum Beispiel der Friedensgruß. Zudem empfehle die Kirche den Gläubigen, regelmäßig die Kommunion zu empfangen. Das ist vor einem Bildschirm schwer möglich.

Für Kranemann macht es außerdem einen Unterschied, ob Menschen alleine zu Hause einen Gottesdienst verfolgen oder sich in der Kirche tatsächlich als Mitmenschen begegnen. Andererseits habe es in der Geschichte immer wieder Situationen gegeben, in denen Gottesdienste nicht mehr wie üblich stattfinden konnten, zum Beispiel zu Zeiten der Pest. Wichtig sei, dass den Zuschauern und Zuhörern die Möglichkeit gegeben werde, sich zu beteiligen.

Bei den Fernsehgottesdiensten wird in der Regel die jeweilige Liednummer aus dem Gotteslob eingeblendet, damit das Publikum zu Hause mitsingen kann. „Viele Menschen zünden außerdem eine Kerze an“, sagt der Leiter der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt, Ulrich Fischer. Nach vielen Messfeiern können die Zuschauer außerdem bei einer Hotline anrufen und mit Mitgliedern aus der jeweiligen Gemeinde zum Beispiel über das Thema der Predigt sprechen.

Das Internet ermögliche zudem neue Mitmach-Formen, erklärt Fischer. Denkbar sei, dass die User Fürbitten einschicken und die Gottesdienste live kommentieren. Letzteres ist seit Donnerstag auf dem Facebook-Kanal des Kölner Internetportals domradio.de möglich. Wegen des Coronavirus überträgt der Multimediasender des Erzbistums Köln Gottesdienste zusätzlich in den sozialen Netzwerken. „Wo es darum geht, die Gläubigen davor zu schützen, sich gegenseitig mit dem Coronavirus anzustecken, bieten wir eine gute Alternative zum persönlichen Gottesdienstbesuch“, erklärte domradio-Geschäftsführer Carsten Horn.

Fischer, der mit seinem Team auch für die katholischen Fernsehgottesdienste im ZDF verantwortlich ist, verzeichnet einen kleinen Zuwachs an Zuschauern. „Es gibt einen leichten Trend nach oben“, sagt er. Derzeit stelle sich eine neue Herausforderung: überhaupt noch eine Kirche für eine Übertragung zu finden. Den Fernsehgottesdienst aus Dormagen am 22. März musste die katholische Fernseharbeit absagen, weil sich ein Mitarbeiter der Gemeinde mit Corona angesteckt hat.

Alternativ plant Fischers Team nun einen Gottesdienst aus einer kleinen Kirche in Bensheim. Pfarrer Heinz Förg, der auf dem Online-Portal katholisch.de jeden Tag einen Segen spricht, soll die Messe halten. Nur bis zu 20 Gäste werden laut Fischer an der Feier teilnehmen – darunter keine älteren Menschen, weil sie zur Corona-Risikogruppe gehören. „Das machen wir so lange, wie uns Übertragungsorte absagen.

Von Anita Hirschbeck (KNA)

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