Erdogan: Hagia Sophia von „Fesseln der Knechtschaft“ befreit

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Kritik an der Rückumwandlung der Istanbuler Hagia Sophia in eine Moschee zurückgewiesen. Der Sakralbau werde von „den Fesseln der Knechtschaft“ befreit, sagte Erdogan am Freitag vor Journalisten in Istanbul. „Die Verwandlung der Hagia Sophia zurück in eine Moschee nach 86 Jahren als Museum ist das natürlichste Recht unserer Nation.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Foto: © Malivoja | Dreamstime.com)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Foto: © Malivoja | Dreamstime.com)

Dieser Schritt sei nicht nur für die Türkei wichtig, sondern für die gesamte islamische Welt, so der Präsident. Es komme nicht in Frage, dass sich jemand auf irgendeine Weise in eine „Angelegenheit unserer Souveränität“ einmische. Die Eröffnung der „Hagia-Sophia-Moschee“ ist für kommenden Freitag geplant. 1.000 bis 1.500 Menschen sollen teilnehmen, kündigte Erdogan an. Es werde auch Plätze für Frauen geben.

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hatte vor einer Woche den Status des spätantiken Gebäudes als Museum aufgehoben. Erdogan unterzeichnete noch am selben Tag ein Dekret zur Nutzung des Istanbuler Wahrzeichens als Moschee. Das Gebäude stehe allen Menschen egal welchen Glaubens offen, betonte er. Der Eintritt sei nun kostenlos.

Die Hagia Sophia („Göttliche Weisheit“) wurde im Jahr 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht und war lange die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee umgewandelt und mit Minaretten versehen.
Der laizistische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk machte das Gotteshaus 1934 zum Museum. 2019 besuchten es mehr als drei Millionen Menschen. Für viele orthodoxe Christen hat die Hagia Sophia eine ähnliche historische Bedeutung wie für Katholiken der Petersdom in Rom.

kna
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