Historiker: Corona kein Einschnitt in Menschheitsgeschichte

Der Historiker Volker Reinhardt glaubt nicht, dass Corona einen größeren Einschnitt in der Menschheitsgeschichte darstellen wird.
Berlin – Der Historiker Volker Reinhardt glaubt nicht, dass Corona einen größeren Einschnitt in der Menschheitsgeschichte darstellen wird. Er wolle die Pandemie angesichts so vieler Todesfälle und so großen Leides nicht verniedlichen, sagte der Experte für das Zeitalter der Renaissance dem "Spiegel" (Samstag). "Aber wenn sie durch Impfungen eingedämmt werden kann, werden sich Haltungen und Mentalitäten der Menschen nicht ändern."

(Symbolfoto: Omni Matryx/Pixabay)

Der Historiker Volker Reinhardt glaubt nicht, dass Corona einen größeren Einschnitt in der Menschheitsgeschichte darstellen wird. Er wolle die Pandemie angesichts so vieler Todesfälle und so großen Leides nicht verniedlichen, sagte der Experte für das Zeitalter der Renaissance dem „Spiegel“ (Samstag). „Aber wenn sie durch Impfungen eingedämmt werden kann, werden sich Haltungen und Mentalitäten der Menschen nicht ändern.“

Epidemien stets mit Verdrängen und Vergessen beantwortet

Bisher seien große Epidemien stets mit Verdrängen und Vergessen beantwortet worden, sagte der an der Universität Freiburg in der Schweiz lehrende Wissenschaftler, der Ende Januar ein neues Buch über die Pest im 14. Jahrhundert veröffentlicht. „Und sie haben soziale Konflikte, Neid und Mobbing geschürt. Epidemien können die destruktiven und, wenn man es moralisch ausdrücken will, die bösen Kräfte hervorlocken.“

Noch habe keine Epidemie eine entscheidende Wende in der Geschichte verursacht. Zwar habe die Pest des 14. Jahrhunderts durchaus fühlbare Veränderungen in der Gesellschaft, den Vorstellungswelten und Mentalitäten hervorgebracht. Für die meisten Menschen der Renaissance hätten sich Lebensgewohnheiten und Alltag aber in keiner Weise geändert – trotz der neuen Errungenschaften in Kunst, Wissenschaft und Philosophie

Corona als Memento mori?

Auf die Frage, ob Corona nicht doch das Lebensgefühl der heutigen Menschen verändere, sagte Reinhardt, natürlich werde nach Corona nicht vor Corona sein. „Ich würde das eher als Memento mori beschreiben: Bedenke Deine Hinfälligkeit“, so Reinhardt. Die scheinbaren Sicherheiten der Moderne würden in Frage gestellt, aber langfristig werde daraus nichts Entscheidendes folgen.

kna
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