Vor Klimakonferenz: Sorge um Kinder

Anlässlich der Weltklimakonferenz fordert die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer radikale Maßnahmen für den Klimaschutz.

Anlässlich der Weltklimakonferenz fordert die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer radikale Maßnahmen für den Klimaschutz. Die Klimakrise habe bereits jetzt massive Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche wie Zukunftsängste, Depressionen und steigende Suizidraten, erklärte die Organisation am Freitag in München mit Blick auf die Klimakonferenz COP26, die am Sonntag in Glasgow beginnt. Unterdessen zeigte sich Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth vorsichtig optimistisch. Zugleich appellierte er an die künftige Bundesregierung, Mieter beim Heizen zu entlasten.

SOS-Kinderdörfer verwies auf aktuelle Studien, wonach 60 Prozent der jungen Menschen Zukunftsängste aufgrund der Klimakrise hätten, 48 Prozent zögerten sogar, selbst Kinder zu bekommen. „Das ist konkret und dramatisch“, erklärte Sprecher Boris Breyer. Schon jetzt gefährde die Klimakrise die mentale und physische Gesundheit Heranwachsender auf der ganzen Welt.

Besonders gravierend seien die Reaktionen junger Menschen, die Umweltkatastrophen miterleben mussten: Depressionen, Angststörungen, Lern- und Schlafprobleme sowie Suizidraten und Aggressions- und Gewaltpotenzial nahmen zu, so Breyer weiter. „Kinder und Jugendliche sind mit Abstand die Hauptbetroffenen des Klimawandels“, so SOS-Kinderdörfer. Laut Prognosen der Weltgesundheitsorganisation WHO seien 80 Prozent aller Menschen, die Krankheiten, Verletzungen und den Tod aufgrund des Klimawandels erleiden, Kinder oder Jugendliche. Die Teilnehmer der Weltklimakonferenz müssten für einen „angemessenen und mutigen Klimaschutz“ sorgen, so Breyer.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, gab sich im ARD-Morgenmagazin vorsichtig optimistisch. Die Vorzeichen vor Klimakonferenzen seien „nie wirklich gut“ gewesen. Doch habe man schon jetzt einen Teil des Erfolgs erzielt: Länder wie die USA, Australien, Russland hätten sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. „Das muss man sich mal vorstellen: Kein Stahlwerk, kein Auto, keine Heizung zu Hause stößt dann mehr Treibhausgase aus innerhalb von drei Jahrzehnten“, sagte Flasbarth. „Das ist schon ein großer Schritt nach vorne.“

Zu Prognosen, wonach der Temperaturanstieg nach aktuellem Stand bis 2050 nicht wie gewünscht 1,5 Grad, sondern 2,7 Grad betragen werde, sagte Flasbarth, vor der Pariser Klimakonferenz 2015 hätten die Wissenschaftler eine „5- bis 6-Grad-Welt“ prognostiziert. „Das heißt, dieser Fortschritt ist möglich“, sagte Flasbarth. „Wir müssen aber sehr viel besser werden.“

An die künftige Bundesregierung appellierte er, angesichts der steigenden Energiekosten „Preissignale“ zu setzen, „dass Co2-Einsparen sich lohnt“. Die scheidende Bundesregierung habe es nicht geschafft, die CO2-Kosten etwa beim Heizen so aufzuteilen, dass auch der Vermieter sie mindestens mittragen muss. Ein Mieter habe dann nur die Möglichkeit, etwas weniger zu heizen. Der Eigentümer, der eine neue Heizungsanlage anschaffen könne, habe dagegen keine Belastung. „Das ist wirklich schlecht gemacht gewesen.“ Das müsse neuen Regierung besser gelingen.

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