Nur geladene Gäste bei Bußfeier zu Missbrauch im Kölner Dom

 Begleitet von Protesten und ohne Medien findet am Donnerstag im Kölner Dom erstmals ein Bußgottesdienst zum Missbrauchsskandal statt.
Köln – Begleitet von Protesten und ohne Medien findet am Donnerstag im Kölner Dom erstmals ein Bußgottesdienst zum Missbrauchsskandal statt. Dabei will der derzeitige Übergangsverwalter des Erzbistums Köln, Weihbischof Rolf Steinhäuser, "vor Gott und vor den Betroffenen" das "schuldhafte Versagen so vieler Verantwortlicher der Kirche bekennen". Zu der Feier sind rund 230 geladene Gäste und keine Medienvertreter zugelassen, wie eine Sprecherin des Erzbistums am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Der Betroffenenbeirat habe wegen möglicher Emotionen einen geschützten Raum gewünscht.

Kölner Dom (Symbolfoto: pixabay)

Begleitet von Protesten und ohne Medien findet am Donnerstag im Kölner Dom erstmals ein Bußgottesdienst zum Missbrauchsskandal statt. Dabei will der derzeitige Übergangsverwalter des Erzbistums Köln, Weihbischof Rolf Steinhäuser, „vor Gott und vor den Betroffenen“ das „schuldhafte Versagen so vieler Verantwortlicher der Kirche bekennen“.

Zu der Feier sind rund 230 geladene Gäste und keine Medienvertreter zugelassen, wie eine Sprecherin des Erzbistums am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Der Betroffenenbeirat habe wegen möglicher Emotionen einen geschützten Raum gewünscht. Der Gottesdienst ab 11 Uhr wird der Sprecherin zufolge aber digital übertragen, unter anderem auf dem bistumseigenen Portal domradio.de.

Zugang zur Kathedrale erhielten Betroffene, leitende Mitarbeitende des Erzbistums, Mitglieder des Diözesanpastoralrats und mit dem Thema Missbrauch befasste Fachleute auf Bundes- und Landesebene sowie aus anderen Diözesen.

Protestaktion „Walk of Shame“ auf der Kölner Domplatte

Der Bußgottesdienst ist seit Langem geplant. Wegen der Querelen um die Missbrauchsaufarbeitung von Erzbischof Rainer Maria Woelki und der „medialen Lage“ sei die Feier bislang nicht zustande gekommen, hieß es. Nun findet sie in der aktuellen Auszeit des Kardinals statt. Während des Gottesdienstes will die Initiative Maria 2.0 die Protestaktion „Walk of Shame“ auf der Domplatte veranstalten. Denn bisher hätten Verantwortliche keine persönlichen Konsequenzen aus den Missbrauchsgutachten gezogen, so die Kritik der Initiative.

Während der aktuelle Betroffenenbeirat den Gottesdienst am „Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ begrüßte, stieß er bei den früheren Mitgliedern Patrick Bauer und Karl Haucke auf Kritik. Sie hatten das Gremium verlassen, nachdem Woelki ein erstes Missbrauchsgutachten nicht veröffentlichen ließ. Sie seien zwar auch zu dem Bußgottesdienst eingeladen, sagten sie dem WDR, nicht aber in die Vorbereitung eingebunden worden. Bauer nannte es zudem eine Farce, dass ausgerechnet Steinhäuser den Gottesdienst halten soll. Denn er sei der Bischof im Erzbistum, der bisher keine Fehler im Umgang mit Missbrauch gemacht habe.

Betroffeneninitiative spricht von erneutem Übergriff

Der Sprecher der bundesweiten Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, sagte dem Sender, viele Betroffene würden diese Veranstaltung als erneuten Übergriff einer mächtigen Institution empfinden. Der Theater- und Fernsehschauspieler Kai C. Moritz vom Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz sagte der „Rheinischen Post“: „Dieses Ritual gehört zur Täterorganisation.“ Der Weg zur Versöhnung müsse von den Betroffenen kommen: „Bei Ritualen, die irgendetwas gesund beten sollen, bin ich nicht dabei.“

Die Kritik wies der bisherige Generalvikar und nun als Delegat Steinhäusers amtierende Markus Hofmann zurück. Er verwies darauf, dass der aktuelle Betroffenenbeirat des Erzbistums in die Planung der Feier einbezogen worden sei: „Wir wollen niemanden instrumentalisieren.“ Allen eingeladenen Betroffenen stehe es frei, die Einladung anzunehmen oder abzulehnen. Hofmann verteidigte auch, dass statt Woelki Steinhäuser den Gottesdienst leitet. Er werde stellvertretend für das Erzbistum Köln sprechen: „Somit gehen wir weiter, als wenn Verantwortliche allein ihre persönliche Schuld bekennen würden.“

Von Andreas Otto (KNA)
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