Ist der Mindestlohn eine Frage der christlichen Nächstenliebe?

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Das Thema Mindestlohn bewegt Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Letztere haben oft Angst davor, zu hohe Löhne nicht mehr zahlen zu können. Für Arbeitnehmer ist es von großer Wichtigkeit, dass sie mit ihrem Lohn die Lebensunterhaltungskosten decken können. Vor allem aus den christlich-sozialen Parteien kommen immer wieder Anstöße zur Erhöhung des Mindestlohnes. Aber was bedeutet das eigentlich und worauf müssen Arbeitnehmer achten?

Bild: Jens P. Raak / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/hochregal-lager-sortiment-408222/)

Der Mindestlohn ist kein Höchstlohn – er darf überschritten werden

Seriöse Quellen wie mindestlohn.expert bringen Licht ins Dunkle eines Themas, das die Gemüter in Deutschland erhitzt. 12,00 Euro beträgt der Mindestlohn in Deutschland, Gehälter dürfen aber gerne darüber hinaus gehen. Wie der Name schon sagt, sind diese 12,00 Euro lediglich das Mindestgehalt, das von Arbeitgebern zu zahlen ist. Wer den Lohn für seine Arbeitnehmer erhöhen möchte, sollte sich hier nicht einschränken lassen. Ins Leben gerufen wurde der Mindestlohn vor allem zum Schutz jener Personen, die aus dem sogenannten Niedriglohnsektor stammen. Es soll vermieden werden, dass Menschen ausbeuterisch angestellt werden und aus Verzweiflung für zu wenig Geld arbeiten. In der EU befindet sich Deutschland auf dem zweiten Platz bezüglich der Lohnhöhe, lediglich Luxemburg ist mit 13,80 Euro noch darüber angesiedelt. Dennoch kommt vor allem aus der katholischen Glaubensgemeinde Engagement, das in Richtung Erhöhung des Mindestlohnes geht. So fordert die katholische Arbeitnehmer-Bewegung einen Mindestlohn, der rund 60 % des deutschen Durchschnittsverdienstes abdeckt. Berechnungen zufolge würde das einem minimalen Einkommen von 14,62 Euro pro Stunde entsprechen. Die KAB übt vor allem dahingehend Kritik, dass selbst eine Erhöhung auf 12,41 Euro (2024) und 12,82 (2025) nicht ausreicht, um die gestiegenen Lebensunterhaltungskosten zu decken. Die christlichen Forderungen sind nicht alleinstehend, viele Sozialverbände kritisieren die Gehaltshöhe trotz Mindestlohn.

Lohn für Arbeit muss zum Leben reichen – die Politik geht wichtige Schritte

Es ist entscheidend, dass berufstätige Personen in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt aus ihrem Gehalt zu bestreiten. Die Politik scheint bestrebt zu sein, diesem Ziel näherzukommen. Neben dem steigenden Mindestlohn, wird auch der Lohnersatz für Pflegende diskutiert. Das würde bedeuten, dass Menschen die ihre Angehörigen pflegen, endlich nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen wären. Wie viele Menschen tatsächlich auf Mindestlohnniveau und darunter gearbeitet haben, wurde erst mit dem Inkrafttreten des Gesetzes wirklich klar. Rund 14,8 % aller Angestelltenverhältnisse profitierten von der Mindestlohnerhöhung. Zuvor haben viele Menschen deutlich unter diesem Wert gearbeitet und waren oft kaum in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Weitere Steigerungen erwünscht – mit Mindestlohn gegen die Inflation

Der Arbeitsminister Deutschlands gab gegenüber dem ZDF an, dass er mit weiteren Erhöhungen des Mindestlohns im Land rechne. Auch wenn er keine konkreten Zahlen nannte, wies er deutlich auf die gestiegenen Unkosten aufgrund der Inflation hin. Arbeitgeber hingegen sehen die Forderungen (auch der Sozialverbände) kritisch. Immerhin ist auch für sie die Höhe der Ausgaben angestiegen, sodass realistische Mindestlöhne wichtig bleiben. Bislang ist für die nächsten Jahre nur eine geringfügige Erhöhung geplant, die unter den geforderten 14,00 (und mehr) liegt. Langfristig wird es zum Erhalt der Attraktivität von Berufen aber unverzichtbar sein, den Mindestlohn an die Lebensunterhaltungskosten anzupassen.