Politik und Kirche erschüttert über Anschläge in Paris

Gebet für den unbedingten Willen zum Frieden Foto: Achim Pohl| Bistum Essen

 

Papst Franziskus und Vertreter von Kirchen und Religionen haben die Terrorattentate von Paris scharf verurteilt. Er verdamme mit Nachdruck jene Gewalt, die keine Probleme lösen könne, hieß es am Samstag in einem Telegramm an den Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois. Er bat alle Menschen um Solidarität mit den Franzosen und Gedanken des Friedens.

In der Pariser Kathedrale Notre-Dame findet am Samstagabend um 18.30 Uhr ein Trauergottesdienst statt. Vor mehreren religiösen Stätten der Hauptstadt zog Militär auf. Die Spitzen der beiden großen Kirchen in Deutschland reagierten ebenfalls bestürzt auf die Nachrichten aus Paris.

Mordanschläge wie die von Paris können nach Worten von Papst Franziskus nicht mit religiösen Empfindungen gerechtfertigt werden. „Religiös bedeutet menschlich. Dies ist nicht menschlich”, sagte er am Samstag in einem Telefoninterview mit dem italienischen Sender TV 2000. Er begreife nicht, wie menschliche Wesen solche Taten verüben könnten. Die Pariser Anschlagsserie der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) bezeichnete er als Teil eines Dritten Weltkriegs.

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande rief am Samstag eine dreitägige Staatstrauer aus. Dem schließt sich auch die katholische Kirche des Landes an. Die Bischöfe riefen die Katholiken zum Gebet auf. In vielen Gemeinden des Landes sind Gottesdienste anberaumt; Glocken sollen im Gedenken an die Opfer läuten. Der Pariser Kardinal Vingt-Trois forderte die Franzosen auf, trotz der Gewalt nicht zu hassen, sondern gnädig zu bleiben.

Der französische Islamrat (CFCM) verurteilte “mit Nachdruck” die “verhassten und verächtlichen Angriffe”. Angesichts der besondere Schwere der Tat seien Einheit und Solidarität wichtig. Der Rat rief die Muslime in Frankreich zum Gebet “in Frieden und Würde” auf.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verurteilten die Attentate als “Anschlag auf alle Menschen und auf Europa”. “Als Christen und über Religionen und Weltanschauungen hinweg werden wir trotz des Terrors zusammenstehen”, erklärten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag in Bonn und Hannover. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sprach im “domradio” ein “Vaterunser” für die Opfer. Das Erzbistum Berlin lud zu Gebet und stillem Gedenken in die Hedwigskathedrale als “Ort für Trauer, aber auch Hoffnung und Trost” ein.

Erschüttert hat sich auch der Bischof von Essen Dr. Franz-Josef Overbeck am Samstag angesichts der Terroranschläge gezeigt, die wenige Stunden zuvor die französische Hauptstadt Paris getroffen und weit mehr als hundert Menschen das Leben gekostet haben. „Das erste Wort, das für mich diese Anschläge beschreibt ist Fassungslosigkeit – und als zweites der unbedingte Wille zum Frieden”, sagte der Bischof am Rande eines Mittagsgebets, zu dem er die Essener Bevölkerung am Samstag spontan in den Dom eingeladen hatte. „Angesichts des Schicksals der Ermordeten und des Leids, das über die Angehörigen gekommen ist, sind wir Christen aufgerufen zu beten: Für die Verstorbenen – und um Kraft für die Verletzten und die Angehörigen der Toten für ein Leben mit diesem schrecklichen Schicksal.” Zugleich seien die Christen aufgerufen, „für den Frieden zu beten”, betonte Overbeck. Dabei gehe es nicht nur um den Frieden zwischen einzelnen Menschen, „sondern auch um Frieden zwischen den Religionen, zwischen politischen Systemen und zwischen den verschiedenen Weltanschauungen”.

Die Attentate von Paris zeigten, „wie zerbrechlich unsere Welt der Freiheit ist”, so Overbeck. Deshalb brauche die Welt Menschen „mit einem starken Gewissen, mit kräftigen Überzeugungen von der Würde und vom Wert jedes Menschen und mit dem Willen, immer wieder Wege der Versöhnung mit allen Menschen zu gehen”, sagte der Bischof. „Nur so können wir Terror, Mord, Gewalt und den Hass als Wurzel dieses Übels überwinden.” Und weiter: „Beten wir in dieser Stunde der Trauer für die Toten und verbinden wir uns im Gebet mit den Verletzten und Hinterbliebenen, aber auch mit den politisch Verantwortlichen in Frankreich – und beten und arbeiten wir für den Frieden.”

Die Spitzen vieler europäischer Bischofskonferenzen drückten ihr Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen aus und verurteilten die unmenschlichen Taten des IS. Beileidsbekundungen, aber auch Solidaritätsadressen an die Sicherheitskräfte, Helfer und die muslimische Gemeinschaft Frankreichs kamen unter anderem aus Großbritannien und Irland. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sprach von einer Bewährungsprobe der europäischen Wertegemeinschaft, die richtigen Antworten auf das „abgrundtief Böse” zu finden, das sich in den Anschlägen manifestiert.

Der österreichische „xEuropa-Bischof” Ägidius Zsifkovics erklärte, Europa dürfe nicht zulassen, “dass das Gift des Terrorismus, des Extremismus und der Gewalt an unserer Zivilisation Wirkung zeigt”. Dazu gehöre auch, weiter den “tragenden Werten und Grundsätzen eines christlich-jüdisch-antiken Humanismus treu” zu bleiben und nicht “in die Schockstarre innerer und äußerer Abschottung und in Festungsmentalität zu verfallen”. Angst sei der schlechteste aller Ratgeber und genau das, was Terroristen zu allen Zeiten bezwecken.

Unterdessen könnten die Terroranschläge von Paris auch Auswirkungen auf die bevorstehende Afrika-Reise von Papst Franziskus haben. Er will nach bisherigem Stand vom 25. bis 30. November nach Kenia, Uganda und in die Zentralafrikanische Republik reisen. Zuletzt hatte Frankreich starke Bedenken gegen den Papstbesuch in der Zentralafrikanischen Republik geäußert. Seine dort stationierten Truppen könnten nicht für die Sicherheit des Kirchenoberhaupts garantieren, hieß es aus Paris. (rwm/kna)