Generalvikar Pfeffer: „Bildung ist nicht nur Aufgabe des Staates“

Bei der Amtseinführung von Eva Lingen, der neuen Schuldezernentin des Ruhrbistums, hob Generalvikar Klaus Pfeffer den Wert kirchlicher Schulen für die Gesellschaft hervor.

Die Bildung junger Menschen ist nach Überzeugung des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer nicht allein Sache des Staates, sondern „muss von einer großen gesellschaftlichen Vielfalt getragen sein“. Schulen in kirchlicher Trägerschaft seien mit ihrem spezifischen Profil eine Bereicherung der Schullandschaft und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Bildung junger Menschen. Dies betonte Pfeffer am Donnerstag bei der Einführung Eva Lingens als neuer Dezernentin für Schule und Hochschule im Bistum Essen.

(Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)

„Unsere Schulen sind Kirchen-Orte, auch wenn sie keinen Kirchturm haben“, sagte der Generalvikar. Sie seien ebenso Heimat für Suchende und Zweifelnde wie auch für Glaubende und Hadernde. Pfeffer: „Hier fallen Leben und Glauben wirklich zusammen.“ Das mache sie so anziehend und trage zu ihrem hohen Ansehen weit über kirchliche Milieus hinaus bei. „Unsere Schulen wollen nicht missionarisch vereinnahmen, sondern verstehen sich zuerst als Lebens- und Lernräume, in denen Menschen sich bemühen, im christlichen Geist unterwegs zu sein.“

Die Bistums-Schulen seien „ein Schatz“, betonte Pfeffer. „In ihrer Vielfalt machen sie deutlich, Kirche ist für alle da. Das Ruhrbistum ist Träger von vier Gymnasien in Duisburg und Essen, des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums und der einzigen Sekundarschule in Essen sowie der Gladbecker Jordan-Mai-Förderschule für Kinder und Jugendliche mit zum Teil schwersten Behinderungen. Der besondere Dienst kirchlicher Schulen sei es, „jungen Menschen aus unserem Glauben heraus das mitzugeben, was ihnen für ihr Leben hilft, vor allem durch die Art und Weise des menschlichen Miteinanders, durch den ,Geist‘, den christlich geprägte Menschenhier einbringen“.

„Bistums-Schulen sind ein Schatz“

Pfeffer äußerte allerdings den Eindruck, dass „innerhalb wie außerhalb unserer Kirche nicht wirklich klar ist, warum wir uns als Kirche in und mit Schulen engagieren.“ Pfeffer sprach davon, dass Spekulationen der vergangenen Monate, das Bistum könne angesichts seiner zunehmend schwieriger werden wirtschaftlichen Lage nicht mehr alle Schulen halten, deutlich machten, dass es Folgen habe, wenn immer mehr Menschen zu der Überzeugung kommen, dass Religion Privatsache sei, es Religion in institutionalisierter Form eigentlich nicht mehr brauche – und die Kirche ihrerseits gesellschaftliche Veränderungen und einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung einfach ignoriere. „Es hat Folgen, wenn die konfessionellen Kirchenzahlenmäßig kleiner werden und an Unterstützung verlieren“, so Pfeffer. Wem das Christentum eher gleichgültig geworden sei, „der darf sich nicht wundern, wenn Kirchen und ihre Einrichtungen auch real zu verschwinden drohen“.  Pfeffer betonten, dass in den kommenden Jahren „die wirtschaftliche Lage für uns deutlich enger wird. Und nicht zuletzt haben Hiobsbotschaften aus dem Erzbistum Hamburg bundesweit für Verunsicherung gesorgt, wo eine relativ große Zahl von Schulen nicht mehr vom Erzbistum finanziert werden kann“.

Nachdrücklich rief er alle Katholiken dazu auf, Mitglied der Kirche zu bleiben – auch, damit die kirchlichen Schulen weiter erhalten bleiben können. Gleichzeitig bat er die Kommunenund die Landespolitikum Unterstützung bei der Finanzierung, damit die konfessionellen Schulträger auch in Zukunft ihren Wert zur Vielfalt der Schullandschaft leisten können. Pfeffer verwies auf den Beitrag des Christentums für die Gesellschaft: Letztlich gehe es um die Frage, „welche Werte wir brauchen, um leben zu können – und was wir den kommenden Generationen als tiefen Lebens-Grund mitgeben wollen. Und da spielen unsere Schulen, unser Religionsunterricht und vor allem unsere kirchlichen Schulen eine sehr wichtige Rolle.“

„Bischöfliche Schulen fit machen“

Dass Schule und Kirche vor gewaltigen Aufgaben stehen, weiß auch die neue Schuldezernentin Eva Lingen. „Wir stehen vor der Herausforderung, die bischöflichen Schulen auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen und sie für die Anforderung der Zukunft fit zu machen“, betonte sie. Dabei verwies sie auf die anerkannte und hohe Wertschätzung der Schulen in kirchlicher Trägerschaft und die beeindruckende Nachfrage. In der Kirche gebe es wenige andere Orte „mit so viel Begegnungspotential und so viel Verkündigungspotential“, sagte Lingen.

Die neue Schuldezernentin hat sich bereits seit dem vergangenen August im Bischöflichen Generalvikariat eingearbeitet. Am 1. Dezember übernahm sie die Leitung vom kommissarischen DezernentenHarald Gesing. Zuvor war die Düsseldorferin nach Tätigkeiten als Syndikusanwältin und Rechtsreferentin als Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Privatschulen beschäftigt. Zuletzt war sie als Landesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes NRW tätig sowie als Geschäftsführerin der Auxilium gGmbH, der Bildungsakademie des Deutschen Kinderschutzbundes NRW.

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