Papst ruft in Abu Dhabi zu Frieden und Toleranz auf

Papst Franziskus hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum interreligiösen Dialog, zu Frieden und Religionsfreiheit in der arabischen Welt aufgerufen. „Jedes Glaubensbekenntnis ist aufgerufen, die Kluft zwischen Freund und Feind zu überwinden“, sagte er am Montag bei einem interreligiösen Treffen in Abu Dhabi.

Eindringlich forderte er vor seinen islamischen Gastgebern ein Ende jeder religiösen Diskriminierung. „Eine Gerechtigkeit, die nur für Familienmitglieder, Landsleute und Gläubige desselben Glaubens gilt, ist eine hinkende Gerechtigkeit, sie ist verschleierte Ungerechtigkeit!“, so Franziskus. Alle Menschen hätten die gleiche Würde, daher können „niemand der Herr oder Sklave anderer sein“. Angehörigen aller Religionen müsse im Nahen Osten das gleiche Bürgerrecht gewährt werden.

Der Papst appellierte an die Länder der Region, alles für ein Ende der Kriege im Nahen Osten zu tun. „Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen.“ Die Emirate zählen zu der von Saudi-Arabien geführten Koalition, die im Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft. Ausdrücklich verurteilte der Papst Wettrüsten sowie „eine Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer“. Dies könne nie Stabilität bringen: „Krieg schafft nichts als Elend, Waffen nichts als Tod!“

Es ist der erste Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel. Franziskus war am Sonntagabend in Abu Dhabi gelandet. Am Montag wurde er offiziell und mit militärischen Ehren von Kronprinz Muhammad bin Zayid im Präsidentenpalast begrüßt. Ihm schenkte der Papst eine Medaille, die an die Begegnung des Heiligen Franz von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil vor genau 800 Jahren erinnert.

Am Nachmittag begab sich das Kirchenoberhaupt in die Scheich-Zayid-Moschee, eine der größten der islamischen Welt, zu einer privaten Begegnung mit der Gelehrtenvereinigung „Muslim Council of Elders“. Vor dem Treffen im Innenhof der Moschee begrüßte ihn dort der Großimam und Rektor der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmad Mohammad al-Tayyeb, einer der angesehensten Gelehrten des sunnitischen Islam. Der Ältestenrat mit Sitz in Abu Dhabi will nach eigenen Angaben Fehden innerhalb des Islam überwinden und Zeichen gegen Extremismus und für Toleranz setzen.

Nach dem rund 30-minütigen Gespräch mit den Ratsmitgliedern fuhr Papst Franziskus weiter zu dem interreligiösen Treffen im Zentrum, um vor den rund 700 Teilnehmern die erste Rede eines Papstes auf arabischem Boden zu halten. Am Founder’s Memorial, das an den Staatsgründer erinnert, verlieh der Kronprinz dem Papst und dem Großimam einen von der Regierung gestifteten Preis für ihren Friedenseinsatz.

Am Ende des Treffens unterzeichneten Franziskus und Al-Tayyeb unter großem Applaus eine gemeinsame Erklärung, die die Ergebnisse des zweitägigen interreligiösen Treffens zum Thema „Menschliche Brüderlichkeit“ zusammenfasst. Das Dokument ruft zur Solidarität zwischen allen Menschen auf, verurteilt Hass und Blutvergießen und fordert Einsatz gegen Gewalt.

Al-Tayyeb bekräftigte in seiner Rede Übereinstimmung mit seinem „guten Freund“ Franziskus und verurteilte scharf Missbrauch von Religion für Gewalt und Hass. Er verurteilte Terror sowie auch eine Diffamierung von Muslimen als gewalttätige Extremisten. Seine Glaubensbrüder rief der Großimam zur Begegnung mit Christen auf. Für seine Aussage „Ihr Christen im Nahen Osten seid wahre Mitbürger“ gab es spontanen Applaus.

Franziskus‘ Besuch in den Emiraten dauert bis Dienstag. Vor seinem Rückflug nach Rom feiert der Papst eine Messe im Stadion von Abu Dhabi. Dazu werden mehr als 130.000 Menschen erwartet. Die allermeisten Christen auf der Arabischen Halbinsel sind Arbeitsmigranten aus Asien.

kna
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