„Es wird spannend“ – 72-Stunden-Aktion in Duisburg

Das Maskottchen heißt Stoppi. Und zur Stoppuhr, die 72 Stunden Arbeit für andere symbolisiert, gesellt sich auch Sabiene, die fleißige Biene, auf Plakaten zur 72-Stunden-Aktion von Jugendlichen aus allen Verbänden des BDKJ im Mai.
Bis zum  großen Event geht es auch in Duisburg um Aufmerksamkeit, Unterstützer-Werbung und um noch mehr aktive Jugendliche. Bei der Pressekonferenz mit den Schirmherren Stadtdechant Roland Winkelmann und Oberbürgermeister Sören Link stellten Projektleiterin Julia Rissmann und BDKJ-Geschäftsführer Henning Gerlach die Aktion vor. Wie schon seit über 20 Jahren werden allein in Duisburg mindestens 400 Jugendliche für soziale, ökologische und interkulturelle Projekte vom 23. bis 26. Mai aktiv sein, für die sich bisher noch niemand engagiert hat.
„Die Aktion ist gut, weil sie Menschen zusammenführt, weil junge Leute für sich und für andere Wichtiges tun und weil nach den Tagen im Mai Nachhaltiges bleibt“, betonte jetzt der Stadtdechant. Vor Jahren – noch als Pfarrer in Mündelheim  – habe er sich zum Beispiel über den Bau eines Spielplatzes und dessen Eröffnung mit einem Bürgerfest gefreut. „So brachten engagierte Jugendliche Menschen der Siedlung und eingesessene Bewohner zusammen.“
2019 geht es in Duisburg um Projekte von der Ortsverschönerung durch eine KjG-Gruppe in Friemersheim über ein Fest mit Kindern und Jugendlichen am Kinderdorf in Großenbaum bis hin zu Musik mit jungen Geflüchteten im Stadtteil Hagenshof im Norden der Stadt.
Fünf Vertreterinnen und Beteiligte an Projekten stellten ihre Planungen für die dreitägige Arbeit vor. Oberbürgermeister Link schätzt solches Engagement hoch. „In Zeiten, wo viele nach städtischen und staatlichen Bediensteten rufen, ist es toll, dass Jugendliche im Ehrenamt anpacken, um etwas zu verbessern.“ Es zähle heute, „Ich kümmere mich“ zu sagen. „Das motiviert“, ergänzte der OB. So möchte die Katholische junge Gemeinde aus Wanhei­merort (St. Petrus Canisius) das Außengelände des Kindergartens vor der eigenen Haustür ein Stück sanieren.

Bewegen und bewegen lassen

„Am Sinnespfad der Kids sind Wegbegrenzungen in die Jahre gekommen“, berichtet Ann-Sophie Kleinagel. „Umgrenzte Wege und zum Beispiel kleine Becken für Tannenzapfen und mehr, worauf man laufen und Natur spüren kann, werden erneuert“, erläutert sie.  Lars Szalek vom 50 Scouts großen Pfadfinder-Stamm im Duisburger Süd-Stadtteil Großenbaum wird mit mindestens zwei Dutzend Aktiven der DPSG St. Nikolaus auf dem nahen Kinderdorf-Gelände zelten und dadurch wirklich fast 70 Stunden vor Ort sein. Andere Gruppen dürfen zum Schlafen nach Hause. Szalek: „Mit den Kinderdorf-Bewohnern planen und bereiten wir Stationen und Spiele eines Kinderfests vor.“
Warum nur knapp 70 Stunden lang? Julia Rissmann erklärt: „Alle aktiven Gruppen erhalten, bevor sie vor Ort gehen, Werk- oder Schreibzeug vor der Aktion.“ Und zum „Abtakt“ – so die Organisatoren – gibt es am 26. Mai in Essen ein großes Fest für alle Aktiven auf dem Burgplatz. „Da wollen wir feiern, uns aber auch darüber austauschen, was wir bewegt haben und was uns bewegt hat.“ Ein besonderes von knapp 20 Duisburger  Projekten ist die Gartenbau-Aktion mit jungen Bewohnern eines Kinderheims. Melanie Dincklage vom Homberger Kinderheim weiß aber bisher noch nicht, wer mit den Bewohnern ihrer Einrichtung arbeiten wird. „Das ist ein Get it-Projekt“, erklärt sie, dass die Aktiven diese Variante gewählt haben, bei der sie ihren Auftrag und Einsatzort erst zu Beginn der 72-Stunden bekommen.
„Manche unserer Jugendlichen“, spricht sie über die Bewohner ihrer Einrichtung, „werden, wenn es um ihren Garten geht, zudem vielleicht nur stundenweise mit anpacken können.“ Denn es seien auch traumatisierte Jugendliche, die sich erst nach und nach im Sozialpädagogisch Betreuten Wohnen ihren Start in ein späteres eigenständig geführtes Leben neu erarbeiten. Dincklage kann mit der offenen Beteiligung der „eigenen“ Leute und der noch unbekannten Besucher-Gruppe leben. „Es wird spannend. Die Projekte, von denen Jugendliche erst zum Start der Aktion erfahren, sind organisatorisch, aber auch wegen der Begegnungen an den Tagen für alle Seiten eine besondere Herausforderung.“
uw