Erzbistum kritisiert offenen Brief

Ist öffentliche Kritik legitim? Das Erzbistum Köln hat jedenfalls nun nach acht Wochen Kritik an einem im März von Seelsorgern der Erzdiözese veröffentlichen offenen Brief an den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki geäußert.

Kardinal Woelki (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0)

Generalvikar Markus Hofmann bezeichnete jetzt bei einem Treffen mit den Unterzeichnern die gewählte Form der Kommunikation als nicht angemessen, wie die Erzdiözese am Freitag in Köln mitteilte. Dass das Schreiben zunächst der Presse und erst danach dem Erzbischof zugestellt worden sei, habe den darin geforderten Dialog konterkariert. Auch seien spätere Äußerungen in Interviews „beschädigend und unangemessen gewesen“.

Die Seelsorger hatten in dem Brief unter anderem auf ein Ende der Volkskirche und den Wandel mehrerer ehemals selbstständiger Pfarreien zu Seelsorgebereichen und Sendungsräumen verwiesen. Bischöfe täten sich damit schwer, gesellschaftliche Veränderungen wie die Rolle der Frau, sexuelle Orientierungen und Lebensformen sowie neue Familienformen zu respektieren. Die Unterzeichner bedauerten zudem, dass ihre „Kompetenz in Leitungsfunktionen“ und ihre „Fähigkeiten in der Verkündigung und in der Begleitung von Menschen in schwierigen Situationen“ nicht genutzt würden. Sie sind hauptamtlich in der Seelsorge tätig, haben aber keine Diakonen- oder Priesterweihe.

Gemeinsam mit dem stellvertretenden Generalvikar und Leiter der Hauptabteilung Seelsorge/Personal, Mike Kolb, habe man auf ein Treffen des Erzbischofs mit den Seelsorgern bereits im Dezember verwiesen, so Hoffmann. Damals zur Sprache gekommene Punkte des Briefes wie ein breiter Dialog, eine erweiterte Partizipation und die veränderte Kommunikation seien wichtige Bestandteile des aktuellen Pastoralen Zukunftswegs.

In der aktuellen Praxis seien viele Projekte und Initiativen ein Beleg dafür, „wie lebendig der Erneuerungsprozess im Erzbistum inzwischen“ sei. Woelki habe bei einem weiteren Treffen im März zudem die Wichtigkeit der Arbeit von Pastoral- und Gemeindereferenten für die Wahrnehmung der Kirche gewürdigt. Hofmann rief die Gesprächspartner auf, sich in den Pastoralen Zukunftsweg einzubringen.

Im Jahr 2016 hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in einem Fastenhirtenbrief seine Vision für die Zukunft des Erzbistums beschrieben und die Katholiken eingeladen, sich mit ihm auf einen Pastoralen Zukunftsweg zu machen. In weiteren Fastenhirtenbriefen sowie in Schreiben an die Mitarbeiter in der Seelsorge entfaltete er weitere Motive und Bausteine. Darin betonte er eine Verantwortung aller Gläubigen und zeigte Schritte zu lebendigen Gottesdiensten und einer diakonischen Kirche auf.

kna

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