Uni Ulm soll Missbrauchsfälle in Mecklenburg aufarbeiten

Die Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch katholische Priester in Mecklenburg sollen jetzt Forscher der Universität Ulm aufarbeiten. Das beschloss der vom Erzbistum Hamburg zu diesem Thema eingerichtete Beirat auf seiner Sitzung am Freitag in Schwerin. Ziel sei es, dass Betroffene die Anerkennung ihres Leids erführen, so die Erzdiözese. Die Aufarbeitung solle zudem betroffenen Frauen und Männern psychische Entlastung ermöglichen und einen Beitrag zur individuellen Aufarbeitung leisten. Die Forschungsarbeit beginnt im Herbst mit einer Auftaktveranstaltung in Neubrandenburg.

Der katholischen Kirche sind laut Angaben 17 Priester bekannt, die zwischen 1945 und 2015 in Mecklenburg Missbrauchshandlungen verübt haben sollen. Davon seien nach kirchlichen Unterlagen 54 Kinder und Jugendliche betroffen gewesen. Die Ulmer Uni habe den überzeugendsten Projektantrag gestellt, hieß es zur Begründung der Auswahl. Das Projekt laufe unter dem Titel „Sexueller Missbrauch durch katholische Priester und andere im Dienst der katholischen Kirche stehende Personen in Mecklenburg“. In ihm sollten die Geschehnisse unter anderem durch Interviews „im historischen Kontext der beiden geschlossenen Systeme DDR und Kirche“ erforscht werden. Dabei würden historische Rahmenbedingungen ebenso untersucht wie Belastungs- und Schutzfaktoren, so der Beirat.

Einer der Hauptverdächtigen in der katholischen Kirche Mecklenburgs ist der 1979 verstorbene Neubrandenburger Pfarrer Hermann-Josef Timmerbeil, der die Pfarrei zwischen 1946 und 1975 leitete. Im Jahr 2010 erhoben Gemeindemitglieder Vorwürfe, dass er ihnen „schwere psychische, physische und sexuelle Gewalt“ angetan habe. Dem Erzbistum sind nach eigenen Angaben 14 betroffene Männer und Frauen bekannt. Es richtete 2010 zwei Anzeigen an die Staatsanwaltschaft. Die Untersuchungen wurden ergebnislos eingestellt.

kna

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