Experte mahnt mehr Transparenz bei Missbrauchs-Aufarbeitung an

(Symbolfoto: Birgit Böllingrer/pixabay)

„Notwendig, Verantwortliche klar zu benennen“

Der Sozialpsychologe Heiner Keupp hofft auf mehr Transparenz bei kirchlichen Missbrauchsuntersuchungen. „Unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte ist es notwendig, Verantwortliche klar zu benennen“, sagte der Experte, der mit dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung den Missbrauch im Kloster Ettal untersuchte, der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag).

Die Betroffenen, deren Schicksal bisher nicht aufgearbeitet wurde, hätten ein Recht zu erfahren, „was die Kirche gemacht oder eben nicht gemacht hat“ erläuterte Keupp. „Das andere ist die Pflicht der kirchlichen Institutionen, ihre eigene Geschichte so zu ergründen, dass sie verstehen, was in ihrem eigenen Haus los ist.“

Veröffentlichung geplant

Der 76-Jährige, der der vom Bundestag eingesetzten unabhängigen Aufarbeitungskommission angehört, äußerte sich mit Blick auf das vom Erzbistum München und Freising angekündigte neuerliche Gutachten zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt. Es soll auf einer bereits vorliegenden Studie von 2010 aufbauen und neben dem Zeitraum von 1945 bis 2010 auch die Jahre bis 2019 einschließen. Anders als der Vorgängerbericht, der aus Datenschutzgründen nie herausgegeben wurde, ist laut Angaben des Erzbistums geplant, die neuen Ergebnisse zu veröffentlichen.

Er erwarte, so Keupp, „dass nicht nur wieder ein paar Zahlen veröffentlicht werden, wie viele Pfarrer wie viele Kinder missbraucht haben, sondern dass die Vorgänge klar benannt werden. Und das Wichtigste ist zu überprüfen, ob die Bistümer verstanden haben, welche Konsequenzen notwendig sind.“

Neue Bereitschaft zur Aufklärung in Hildesheim

Das Erzbistum München und Freising hatte 2010 als erstes deutsches Bistum einen unabhängigen Missbrauchsbericht vorgestellt. Inzwischen haben auch andere deutsche Diözesen unabhängige Kanzleien beauftragt, in Sachen Missbrauch und Verantwortlichen die Akten zu untersuchen. Am Donnerstag will das Erzbistum Köln Ergebnisse vorstellen.

Positiv hob Keupp das Beispiel Hildesheim hervor. Dort habe Bischof Heiner Wilmer das Institut für Praxisforschung und Projektberatung mit einem umfangreichen Gutachten beauftragt, das auch veröffentlicht worden sei. „Daraufhin haben sich Betroffene gemeldet, die bisher nicht bereit gewesen waren zu reden. Sie haben gesehen, dass eine neue Bereitschaft zur Aufklärung da ist“, so der Experte. „In Hildesheim wurde Transparenz in hohem Maße hergestellt. Das erwarte ich mir jetzt auch in München.“

kna

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