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Oberammergauer Passionsspiele auf 2022 verschoben

Die 42. Oberammergauer Passionsspiele sind wegen der Corona-Pandemie für 2020 abgesagt. Sie sollen nun 2022 stattfinden, wie die Gemeinde Oberammergau am Donnerstag mitteilte. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hat das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu demnach aktuell untersagt. Die Gesundheit der Gäste und Mitwirkenden habe höchste Priorität. Ursprünglich war die Premiere für 16. Mai angesetzt. Nun soll sie am 21. Mai 2022 stattfinden. Der Hart- und Barterlass wurde sofort aufgehoben und tritt erst wieder am Aschermittwoch 2021 in Kraft.

(Foto: © Passionsspiele Oberammergau 2020© Passionsspiele / Gabriela Neeb)

Nach der derzeitigen Risikoeinschätzung durch das Gesundheitsamt sei eine Durchführung der Passion bis in den Herbst hinein nicht möglich, hieß es. Zwar sei davon auszugehen, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren werden könnten, wenn die exponentielle Zunahme an Infizierten unterbrochen werde könne. Jedoch werde es über einen langen Zeitraum ein hohes Risiko geben, dass immer wieder Infektionen aufträten.

Auch für die Gemeinde Oberammergau und Spielleiter Christian Stückl stehe die Gesundheit der Bevölkerung an erster Stelle. Die Corona-Pandemie habe es unmöglich gemacht, das Spiel fertigzustellen, ohne Mitwirkende und Gäste zu gefährden. Eine Verschiebung nur um ein paar Monate sei allen Beteiligten als nicht tragbar erschienen. Der Gemeinderat habe sich deshalb einstimmig für die jetzige Lösung entschieden, sagte Stückl am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor Ort.

Sichtlich bewegt ergänzte er, die Entscheidung „befreit uns ein bisschen“. Denn keiner hätte die Verantwortung mehr tragen können. „Es ist jetzt so“, auch wenn er zu jenen gehöre, die stets am Schluss von Bord gingen. Zugleich betonte Stückl: „Wir machen unsere Passion“, aber ab sofort gelte weiter zusammenzuhalten und sich entsprechend zuhause zurückzuziehen. Letztlich gehe es nur um ein Theater, das abgesagt worden sei. Anderen, wie etwa den Flüchtlingen in den Lagern auf Lesbos, gehe es viel schlechter.

Bisher ist das Passionsspiel nur zweimal ausgefallen. 1770 ließ Kurfürst Maximilian III. alle Passionsspiele in Bayern verbieten. Zur Begründung führte er an, dass „das größte Geheimnis unserer heiligen Religion nun einmal nicht auf die Schaubühne gehört“. 1940 verhinderte der Zweite Weltkrieg, dass die Oberammergauer ihrem Gelübde nachkamen. 1920 gab es indes schon einmal einen Aufschub: Damals beschloss der Gemeinderat, die Vorbereitungen für die Passion angesichts der hohen Zahl der Gefallenen des Ersten Weltkriegs nicht voranzutreiben. Sie wurde 1922 nachgeholt.

Zu den dieses Jahr geplanten 103 Spieltagen wurden bis 4. Oktober mit mehr als 450.000 Besuchern aus aller Welt gerechnet. An die 2.300 Oberammergauer wollten sich beteiligen. Der Brauch geht auf das Jahr 1633 zurück. Damals starben 84 Menschen während des Dreißigjährigen Krieges an der Pest. Die Einwohner gelobten, alle zehn Jahre die Passion Jesu aufzuführen, damit Gott der Krankheit ein Ende bereite. Der Überlieferung nach starb danach niemand mehr an der Pest. Die Passionsspiele gelten als eines der wichtigsten religiösen und kulturellen Ereignisse in Deutschland.

Von Barbara Just (KNA)

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