Psychoanalytiker beobachtet „giftige“ Sprache über alte Menschen

Die Rede von Risiko- und Hochrisikogruppen in der Corona-Krise empfindet der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer nach eigenen Worten als „giftige Information, ebenso oberflächlich wie fatal“.

Senioren

(Symbolfoto: Sabine van Erp/pixabay)

Es sei „zwar statistisch korrekt, dass mit dem kalendarischen Alter auch die Gefahr von Bluthochdruck, Herzschwäche, reduzierter Lungenfunktion und verzögerter Immunreaktion zunimmt“, schreibt er in der „Welt“ (Mittwoch). Allerdings erlaube allein das kalendarische Alter einer Person keine „kausal bedeutungsvolle Aussage“.

Bei Menschen über 70 oder gar über 80 Jahren entwickle sich dennoch eine Angst, die nur „ganz langsam, mithilfe sorgfältiger Übung, wieder der Vernunft gehorcht“, so der Autor. Viele Ärzte und Medienvertreter machten sich wenige Gedanken darüber, wie bestimmte Beschreibungen und Warnungen auf Betroffene wirken könnten, kritisiert Schmidbauer. „Wenn er Diagnosen zu früh, zu schwer, zu schrecklich macht, hat der Arzt keine Angst. Nur der Patient.“

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