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Bischof im Gespräch: Frauen, Sex und wenig Neues?

Aachens Bischof diskutiert in der Corona-Krise online mit einer Studentin aus Heinsberg. Die Gespräche sparen auch kontroverse Themen wie Frauen in der Kirche nicht aus. Leider enden sie oft da, wo es spannend wird.

Bischof Dieser (Foto: Domsteinchen/CC BY-SA 4.0)

Sex, Schwule, Frauen, Missbrauch – in ihrem Video-Podcast „Zwiegespräche“ lassen Aachens Bischof Helmut Dieser und Jura-Studentin Katharina aus Heinsberg kein heißes Eisen der katholischen Kirche aus. Das ist löblich, nur leider kratzen der Hirte und die junge Frau oftmals an der Oberfläche und hören genau da auf, wo es für viele erst richtig spannend wird. So bleibt trotz interessanter Themen bisher offen, ob das neue Online-Angebot des Bistums Aachen tatsächlich Menschen anspricht, die eigentlich nichts mit der Kirche anfangen können.

Corona-Pandemie als Klammer

Inhaltliche Klammer der zehn Videos – das letzte erscheint am Samstag auf Youtube – soll die Corona-Pandemie und ihre Folgen sein. Sie hoffe auf interessante und selbstkritische Gespräche auch über die Kirche, kündigte Katharina zu Beginn an. Die 21-Jährige aus Heinsberg – in dem Landkreis gibt es besonders viele Covid-19-Infizierte – erzählte aber erstmal, wie sie an ihrem Studienort München am Anfang der Krise geschnitten worden ist. Interessante Einblicke, aber leider können die folgenden Gespräche diesen Spannungsbogen nicht immer halten.

Egal ob es um Frauen, Homosexuelle oder Missbrauch geht – Katharina trägt zunächst ein Gefühl von Unbehagen vor. Irgendwie hat sie den Eindruck, so wird es an mehreren Stellen deutlich, dass viele Vorstellungen der Kirche nicht zu ihrer Generation passen. „Wir sehen ganz viele Dinge als selbstverständlich, die die Kirche nicht als selbstverständlich sieht“, sagt sie etwa in Folge 5.

Bischof führt nur bekannte Argumente ins Feld

Dieser führt die bekannten Argumente ins Feld, wie man es von einem Bischof erwartet. Die Kirche fördere Frauen in Leitungspositionen, Missbrauch werde aufgearbeitet und Homosexuelle sollten sich nicht diskriminiert fühlen. Katharina hält dem wenig entgegen und hakt nicht nach. Wahrscheinlich ist oft die Kommunikation das Problem, stellt sie fest. Und damit ist die Diskussion beendet.

Dabei könnte sie den Bischof ruhig stärker herausfordern. Dieser setzt sich freiwillig dem Format aus; er hat also vermutlich gar nichts gegen ein wenig Widerspruch. Es muss nicht gleich krawallig werden, aber Katharina könnte zum Beispiel schon nachfragen, warum Frauen keine Priesterinnen werden dürfen, wenn die katholische Kirche nicht „anti-emanzipatorisch“ ist, wie Dieser sagt. Oder warum Homosexuelle nicht katholisch heiraten dürfen, weil sie keine Kinder zeugen können, heterosexuelle Siebzigjährige aber durchaus den Segen der Kirche bekommen. Ein Bischof kann solche Fragen beantworten und es ist keineswegs gesagt, dass er keine guten Argumente hätte. Aber Dieser muss auch die Gelegenheit bekommen, tiefer in die Themen einzutauchen.

Warum besuchen junge Leute kaum noch Gottedienste

Gleiches gilt andersherum. Als Dieser in Folge 3 junge Menschen einlädt, in die Kirchen zu kommen, sobald Gottesdienste wieder möglich sind, wechselt Katharina das Thema. Hier möchte man dem Bischof „Dranbleiben!“ zurufen. Es wäre doch spannend zu erfahren, warum viele junge Leute kaum noch Gottesdienste besuchen.

Die Studentin und der Hirte versuchen sich in Folge 7 an dieser Frage. Katharina erklärt, sie finde Predigten manchmal interessant: „Aber ich empfinde die Strecke dahin schon als sehr lang.“ Kann es sein, dass die Studentin keinen Zugang zu den tradierten Formen der Liturgie hat? Kann es sein, dass das Format Gottesdienst an sich unattraktiv ist für viele junge Erwachsene? Diese Frage will Dieser nicht stellen. Auch für junge Menschen bedeute Gottesdienst vor allem, Eucharistie zu feiern, sagt er stattdessen. Ist das wirklich so? Auch hier verpassen Katharina und der Bischof die Gelegenheit zu einem tiefergehenden Austausch.

Kaum mehr als 1000 Zuschauer

Auf Youtube erreichen die Folgen der Reihe kaum mehr als 1.000 Zuschauer. Das muss nicht bedeuten, dass die junge Zielgruppe in den sozialen Medien Kircheninhalte per se ablehnt. Jugendstudien kommen zu dem Ergebnis, dass sich junge Menschen durchaus nach Tiefe und Sinn sehnen. „Da sind ganz viele Fragen, die wir uns stellen“, sagt auch Katharina. Die Kirche könnte Antworten geben, sofern sie den Mut hat, zunächst einmal Kritik zu hören und sich ehrlich zu erklären. Bischof Dieser hat einen ersten kleinen Schritt getan.

Von Anita Hirschbeck (KNA)

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