Weiter Kritik am Umgang mit Alten und Kranken in Corona-Pandemie

In der Corona-Pandemie hält die Kritik am Umgang mit alten und kranken Menschen in Deutschland an. So fordern die katholischen Bischöfe einen menschenwürdigen Umgang. „Es gilt immer abzuwägen zwischen Zumutbarkeit, Verantwortung und Risiko auf der einen Seite und dem berechtigten Bedürfnis nach menschlicher Begegnung auf der anderen Seite“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Osnabrück.

Senioren

(Symbolfoto: Sabine van Erp/pixabay)

Es sei wahrscheinlich, dass gewisse Maßnahmen zum Schutz der Menschen länger bestehen bleiben müssten. Eine soziale Isolation aber dürfe „unter keinen Umständen dauerhaft sein“. Freiheitseinschränkende Regelungen bedürften grundsätzlich einer Frist, um sie regelmäßig zu überprüfen und anpassen zu können, mahnte Bode. Es müsse auch vermieden werden, Freiheiten gegeneinander auszuspielen. Die Seelsorger der Kirche versuchten unter den bestehenden Auflagen, wo immer es gehe, alte Menschen etwa in Heimen zu erreichen. „Besonders wichtig ist, dass möglichst niemand alleine sterben muss.“

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, fordert, dass Besuchsmöglichkeiten mit Infektionsschutz zum Standard in Pflegeheimen werden. „Der Schutz der Pflegebedürftigen vor Infektionen darf nicht dazu führen, dass die Menschen vereinsamen“, sagte Westerfellhaus der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Zum Standard von Pflegeheimen sollten deshalb künftig zum Beispiel spezielle, abgetrennte Besuchszonen gehören.

„Ganz klar ist für mich auch: Wer im Sterben liegt, muss immer zumindest eine definierte Person zum Abschied bei sich haben können. Wenn wir das nicht sicherstellen, werden viele Menschen Angst vor einem Umzug in ein Pflegeheim haben“, sagte Westerfellhaus.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery beklagte massive staatliche Verfehlungen beim Schutz alter Menschen in Deutschland: „In der Altenpflege haben die Schutzkonzepte komplett versagt“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). Die Politik habe lange Zeit nur daran gedacht, Krankenhäuser mit Masken und Kitteln zu versorgen. „Kein Mensch hat an die Altenpflege gedacht.“

Der Mediziner kritisierte zudem den Umgang mit älteren Menschen in der Corona-Krise: „Ich wundere mich sehr, wie viele Gedanken sich manche über junge gesunde Fußballer machen, während man gleichzeitig in Kauf zu nehmen scheint, dass die alten Menschen noch lange in sozialer Isolation leben sollen“, sagte Montgomery. „Da ist jedes Maß verloren.“

Um Infektionsherde in Pflegeheimen und anderen zuletzt oft betroffenen Unterkünften in Zukunft früher zu erkennen, forderte der Mediziner flächendeckende Tests: „Sinnvoll wäre es, alle Senioreneinrichtungen, Flüchtlingsheime und Sammelunterkünfte systematisch zu testen.“ Auf diese Weise könnten die Gesundheitsämter frühzeitig feststellen, wo sich ein neuer Infektionsherd bilde.

Von Leticia Witte (KNA)
Werbung
Werbung