Missbrauch: ZdK-Präsident fordert Herausgabe des Gutachtens in Köln

Der oberste katholische Laienvertreter in Deutschland fordert die Herausgabe eines bislang unveröffentlichten Missbrauchsgutachtens im Erzbistum Köln

Zdk-Präsident Thomas Sternberg (Foto:© ZdK/Nadine Malzkorn)

Der oberste katholische Laienvertreter in Deutschland fordert die Herausgabe eines bislang unveröffentlichten Missbrauchsgutachtens im Erzbistum Köln. „Nur vollständige Transparenz kann jetzt weiterhelfen“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, der „Rheinischen Post“ (Samstag) in Düsseldorf. „Und sollte es ein Fehlverhalten des Erzbischofs gegeben haben, ist die Übernahme von Verantwortung eine Selbstverständlichkeit.“

Am Freitag hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erklärt, dass er Vertuschungsvorwürfe gegen ihn vom Papst prüfen lassen will. Anlass für diesen Schritt ist der Vorwurf, er habe im Jahr 2015 einen mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Fall schweren sexuellen Missbrauchs durch einen Düsseldorfer Priester pflichtwidrig nicht nach Rom gemeldet und keine Voruntersuchung in dem Fall eingeleitet. Das Erzbistum betonte, dass die Meldung aufgrund des schlechten Gesundheitszustand des Priesters im Jahr 2015 unterblieben sei. Zudem habe sich der Betroffene zu dem Fall nicht mehr äußern wollen.

Sternberg: „Kardinal muss sich an seinen eigenen Worten messen lassen“

Am Donnerstag hatte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller den Rücktritt Woelkis gefordert. Sternberg erklärte: „Der Kardinal muss sich an seinen eigenen Worten messen lassen, als er genau dies nämlich als Konsequenz nannte, sollte ihm Fehlverhalten eindeutig nachgewiesen werden.“ Der ZdK-Präsident forderte rückhaltlose Aufklärung von Missbrauchsfällen und nannte unter anderem die Bistümer Münster und Mainz als gute Beispiele.

Bis zum 18. März 2021 soll der Kölner Strafrechtler Björn Gercke ein Gutachten zum Umgang der früheren Kölner Bistumsspitze mit Missbrauchsfällen durch Geistliche vorlegen. Eine bereits fertige Untersuchung der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl wollte Kardinal Woelki zunächst nicht veröffentlichen lassen, da sie „methodische Mängel“ enthalte. Sobald Gerckes Gutachten fertig erstellt ist, sollen unter anderem Betroffene und Journalisten auch das Westpfahl-Gutachten lesen dürfen.

kna
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