Katholikenkomitee will Missbrauchs-Aufarbeitung verstärken

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nimmt sich bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche selbst in die Pflicht.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nimmt sich bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche selbst in die Pflicht. Die Frühjahrsvollversammlung des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland gab am Samstag den Startschuss für einen Prozess, der die Rolle katholischer Laien bei Missbrauchstaten in Pfarreien und Verbänden ausleuchten soll.

ZdK-Vizepräsident Wolfgang Klose kündigte an, dass ein neu eingerichteter Arbeitskreis des ZdK, der sich mit Missbrauch durch Laien befasst, im Mai seine Arbeit aufnehmen werde. Das Gremium soll sich mit den „begünstigenden Strukturen von Missbrauch“ beschäftigen, Betroffene zu Wort kommen lassen und Handlungsempfehlungen für Aufarbeitung und Prävention formulieren. Außerdem soll es die Aufarbeitungsprozesse in den Bistümern beobachten und Reformen einfordern.

Klose betonte, auch katholische Laien seien Täter geworden; manche Katholiken hätten weggeschaut und vertuscht, wenn sie von solchen Taten gehört hätten. Tatorte seien sowohl Sakristeien als auch Zeltlager gewesen.

Auch die Berliner Historikerin Birgit Aschmann, Mitglied im ZdK-Hauptausschuss und Mitglied der Vollversammlung des katholischen Reformprozesses des Synodalen Wegs, betonte, zu den Missbrauchstaten gehörten immer auch viele Menschen, die wegschauten, den Opfern keinen Glauben schenkten und sie zum Schweigen brächten. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte zuvor ‚Ko-Klerikalismus‘ in manchen Gemeinden und Verbänden beklagt.

Aschmann und Klose betonten, dass Laien in der Kirche eine eigene Verantwortung für die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch hätten – „auch wenn Bischöfe und Kleriker die Hauptverantwortung tragen“. Klose räumte ein, bisher habe sich das ZdK nur punktuell mit dem Missbrauch durch Laien befasst. „Wir beginnen spät damit, aber es ist noch nicht zu spät.“

Vor der Vollversammlung appellierten Vertreter der Betroffenen an das ZdK, die Stimme der Opfer stärker zu hören und „endlich Flagge zu zeigen für die Betroffenen“. Sexuelle Gewalt durch Kleriker geschehe nicht im luftleeren Raum, erklärten die vier Mitglieder des von der Deutschen Bischofskonferenz eingerichteten Betroffenenbeirats, Johannes Norpoth, Kai Moritz, Lisa Scharnagl und Johanna Beck. In Gemeinden, Verbänden und kirchlichen Schulen gebe es eine Kultur des Wegschauens und Beschweigens und Widerstand gegen Präventionsarbeit. Kirchenkreise wollten vielfach nicht wahrhaben, dass vermeintliche Lichtgestalten wie der Pfarrer oder Kaplan schuldig geworden seien.

kna
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