Von Hühnerknochen und Schneckenhäusern

Alte Hühnerknochen können Archäologen dabei helfen, ihre Funde ziemlich genau zu datieren – nicht nur das Jahr, sondern sogar die Jahreszeit zu bestimmen.
Von Hühnerknochen und Schneckenhäusern

Ausgrabung Tell Iztabba – Foto: German-Israeli Tell Iztabba Excavation Project

Alte Hühnerknochen können Archäologen dabei helfen, ihre Funde ziemlich genau zu datieren – nicht nur das Jahr, sondern sogar die Jahreszeit zu bestimmen. In einem neuen Verfahren analysieren Forschende tierische und pflanzliche Überreste zusammen mit literarischen Zeugnissen, wie die Universität Münster am Donnerstag mitteilte. Dabei helfen etwa Ablagerungen auf Hühnerknochen, die auf die Eierschalenproduktion hinweisen, Schneckenhäuser oder die botanische Untersuchung von Blütenresten. So konnten die Experten dann auch die Vernichtung der griechischen Stadt Tell Iztabba im heutigen Israel durch die Hasmonäer erstmals sicher auf den Frühling des Jahres 107 vor Christus datieren.

„In den von den Hasmonäern zerstörten Wohnhäusern stießen wir auf Hühnerbeinknochen“, erklärte Archäologe Achim Lichtenberger. „Deren Analyse brachte markhaltige Ablagerungen hervor, die der Eierschalenproduktion zur Legezeit im Frühjahr dienten.“ Dies weise auf eine Schlachtung der Hühner im Frühling hin. „Außerdem entdeckten wir Häuser von Feldschnecken, die zu dieser Jahreszeit häufig gegessen wurden.“ Botanische Untersuchungen von Blütenresten auf den Böden der Wohnstätten hätten eine Blütezeit dieser Pflanzen im Frühling ergeben. Eine zeitgenössische hebräische Schrift berichte zudem von der Vertreibung der Stadtbewohner im hebräischen Monat Sivan, was unserem Mai/Juni entspreche. „Aus archäologischer Sicht ist damit der Frühling die Jahreszeit der Zerstörung“, so Lichtenberger.

kna