Caritas beklagt Situation in Haiti zehn Jahre nach Erdbeben

Zehn Jahre nach dem katastrophalen Erdbeben in Haiti ist die Lage in dem Karibikstaat aus Sicht der Caritas trotz Milliardenhilfen weiter verheerend. „Die Menschen suchen verzweifelt nach Perspektiven, um der Armut zu entkommen, was zu großen Unruhen führt“, sagte Caritaspräsident Peter Neher am Samstag in Freiburg. „Es besteht permanent die Gefahr eines Bürgerkrieges.“

(Foto: © FabioConcetta | Dreamstime.com)

Angesichts des politischen Missmanagements bleibe wenig Hoffnung, dass sich die Situation in naher Zukunft zum Positiven verändere, so der Chef des katholischen Wohlfahrtsverbandes. Schätzungsweise rund 300.000 Menschen waren im Januar 2010 ums Leben gekommen, mehr als 1,8 Millionen Menschen wurden obdachlos.

Neher beklagte verbreitete Korruption und Gewalt; noch immer seien nicht alle Schäden des Erdbebens behoben. Der Caritaspräsident forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die herrschenden Eliten in Haiti auszuüben. Sie müssten sich den Prinzipien guter Regierungsführung verpflichten.

Weitgehend positives Fazit für Caritas-Hilfen

Mit Blick auf die Hilfen von Caritas international, dem Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, zog Neher ein weitgehend positives Fazit. „Durch unsere lokalen Partner konnten wir auch in dieser extrem schwierigen Situation effektiv Hilfe leisten“, betonte er. Insgesamt seien in verschiedenen Projekten rund 21 Millionen Euro an Spendengeldern für die Not- und Wiederaufbauhilfe in Haiti aufgebracht worden.

Dazu zählte die Verteilung von dringend benötigten Hilfsgütern wie Lebensmitteln, Matratzen, Zelten und Medikamenten. In Gesundheitszentren der Caritas seien mehrere hunderttausend Patienten versorgt worden. Des Weiteren wurden ein Berufsausbildungszentrum und eine Gesundheitsstation in der Stadt Leogane errichtet und das Heim „Asile St. Vincent de Paul“ für Senioren und Menschen mit Behinderung wieder aufgebaut. Überdies errichteten die Helfer Unterkünfte für obdachlos gewordene Familien.

Caritas arbeitet in Katastrophenprävention

Damit zukünftige Naturkatastrophen nicht wieder so viele Todesopfer fordern, arbeitet die Caritas laut Neher seit dem Erdbeben verstärkt im Bereich der Katastrophenprävention. Die Ausbildung lokaler Katastrophenschutz-Komitees, der Bau von Schutzunterkünften und die Kooperation mit der Zivilschutzbehörde hätten bereits beim Hurrikan Matthew, der letzten größeren Katastrophe in Haiti 2016, zur Rettung vieler Menschenleben beigetragen.

kna
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