Internationale Politik kritisch zu Hagia Sophia als Moschee

Vertreter der internationalen Politik haben kritisch auf die Ankündigung der Türkei reagiert, die weltberühmte Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umzuwandeln. Die Europäische Union bedauerte die Entscheidung. Die Hagia Sophia habe einen „starken symbolischen, historischen und universellen Wert“, erklärte der Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell. Er erinnerte die Türkei daran, dass sie sich als „Gründungsmitglied der Allianz der Zivilisationen“ zur „Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs und zur Pflege von Toleranz und Koexistenz“ verpflichtet habe.

Josep Borrell (Foto:© Gints Ivuskans | Dreamstime.com)

Josep Borrell (Foto:© Gints Ivuskans | Dreamstime.com)

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am Freitag den Status des berühmten Bauwerks als Museum aufgehoben. Präsident Erdogan unterzeichnete darauf ein Dekret zur Nutzung als Moschee und kündigte für 24. Juli das erste Freitagsgebet an. Die Hagia Sophia („Göttliche Weisheit“) wurde 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht und war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee. Republikgründer Mustafa Kemal „Atatürk“ machte sie 1934 zum Museum.

Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou wertete die Nutzung des Sakralbaus als Moschee als einen „zutiefst provokanten Akt gegen die internationale Gemeinschaft“. Dieser Schritt beleidige auf „brutale Weise das historische Gedächtnis, untergräbt den Wert der Toleranz und vergiftet die Beziehungen der Türkei zur gesamten zivilisierten Welt“, schrieb sie auf Twitter. Die griechische Kulturministerin Lina Mendoni sprach von einer „offenen Provokation gegen die ganze zivilisierte Welt“.

Auch Zyperns Außenminister Nikos Christodoulidis verurteilte die Umwandlung. Er warf der Türkei auf Twitter eine „eskalierende, ungeheuerliche Verletzung internationaler Verpflichtungen“ vor. Die Hagia Sophia sei ein „universelles Symbol des orthodoxen Glaubens“.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian bedauerte die Entscheidung. „Die Hagia Sophia muss weiterhin die Pluralität und Vielfalt des religiösen Erbes, des Dialogs und der Toleranz repräsentieren.“

Ähnlich äußerte sich der Religionsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Grübel (CDU): „Das Gebäude hat eine tiefgreifende historische Bedeutung sowohl für das Christentum als auch für den Islam. Bei einer Statusänderung sollte es als Ort der Begegnung und des Austausches zwischen beiden Religionen dienen.“

Kritik übte auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu. „Die Hagia Sophia ist Welterbe und ein Symbol friedlichen Zusammenlebens der Religionen. Dass man daraus eine Moschee macht, ist eine absolute Fehlentscheidung“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Man solle mit religiösen Symbolen keine Politik machen.

Auch die Unesco äußerte Bedauern. Die Entscheidung sei ohne vorherige Erörterungen mit der Weltkulturorganisation erfolgt, erklärte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay. Seit 1985 stehen die Hagia Sophia auf der Unesco-Liste für das Weltkulturerbe.