Spahn: Besuchsverbot in Pflegeheimen schwerste Entscheidung

Das Besuchsverbot in Pflegeheimen war für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach eigenen Angaben die bislang schwerste Entscheidung in der Corona-Pandemie. Er wisse, dass dies viel Leid und Schmerz verursacht habe, sagte Spahn am Mittwochabend in Berlin. Doch habe er sich nach damals bestem Wissen und Gewissen für den Schutz des Lebens entschieden. Spahn äußerte sich bei einer Veranstaltung des Ärzteforums des Erzbistums Berlins zu ethischen Dimensionen der Pandemie. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch dankte dabei besonders den Mitarbeitern im Gesundheitswesens für ihren Einsatz.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Foto: ©BMG)

Spahn betonte, dass viele Entscheidungen eine ethische Dimension hätten, über deren komplette Tragweite man sich aufgrund des Entscheidungsdrucks oft erst später bewusst werde. So erinnerte er an die Konferenz mit den Ministerpräsidenten Mitte März, „bei der wir eines der größten Experimente mitten in der Pandemie gemacht haben“: alle planbaren Operationen, sofern möglich, verschieben zu lassen. Es sei aber damals klar gewesen, „dass wir jetzt die Intensivkapazitäten brauchen“. Ein weiteres „ethisches Dilemma“, das ihn bis heute beschäftige, sei die Einsicht im Nachhinein gewesen, dass Deutschland viel mehr ausländische Patienten hätte aufnehmen können. Allerdings habe es in den Regionen eine sehr emotionale Debatte darüber gegeben.

Verhältnis von Lebensschutz und Freiheit große Herausforderung

Der Erzbischof nannte als große ethische Herausforderung in der Pandemie die Diskussion um das Verhältnis von Lebensschutz und Freiheit. Dabei sei es nicht einfach gewesen, deutlich zu machen, dass es nicht nur um die Durchsetzung der eigenen Freiheit gehe, sondern ebenso um die Freiheit des anderen. Die Kirche stehe nun vor der Aufgabe gerade in der dunklen Jahreszeit, die ohnehin für viele eine emotionale und soziale Herausforderung sei, den Menschen besonders nahe zu sein. Als „großen Leidpunkt“ nannte Koch das oft einsame Sterben von Menschen auf Intensivstationen. Deshalb habe er auch gegenüber staatlichen Stellen die seelsorgerische Begleitung Sterbender als Teil der Religionsfreiheit angemahnt.

Der Berliner Theologe und Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl ging als Mitglied des Ethikrates auf die Frage nach dem Umgang mit einer möglichen Impfung ein. Hier müsse es Priorisierungen geben, da nicht jeder sofort geimpft werden könne. Ohne näher auf anstehende Empfehlungen des Ethikrates hierzu einzugehen, betonte er, dass die Kriterien dazu schon jetzt entwickelt würden und transparent sein müssten. Angesichts der Tragweite müsse dann die demokratisch legitimierte Politik darüber entscheiden.

kna
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