St. Martin: Den Mantel teilen, nicht das Virus

Können Martinsfeste im „Lockdown light“ überhaupt noch stattfinden? Schwer, sagen bundesweit mehrere Bistümer – aber sie bieten Konzepte. Und wie in diesen Tagen der Corona-Pandemie üblich, zeigen sich Organisatoren kreativ. Denn es geht darum den Mantel zu teilen, nicht das Virus.

Dort oben leuchten die Sterne – und unten trotzen wir!“ Das könnten viele Kinder am Martinstag zu Corona-Zeiten statt des Original-Liedtextes zu Sankt Martin singen. Dass bundesweit überhaupt Feste zu Ehren des heiligen Martin von Tours stattfinden können, dafür wollen die Kommunen und die Bistümer mit eigenen Konzepten sorgen. Der erneute Lockdown erschwert es Organisatoren, das beliebte Brauchtum in diesem Jahr durchzuführen.

St. Martin und die Martinsfeste in der Corona-Pandemie Theresa Kohlmeyer (Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)

Theresa Kohlmeyer (Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)

Die Regelungen variieren je nach Region und den dortigen Corona-Zahlen – die 27 deutschen katholischen Bistümer orientieren sich mit ihren Empfehlungen an den jeweiligen Landesverordnungen, die aufgrund von aktuellen Infektions-Entwicklungen indes eine kurze Halbwertszeit haben.

Martinslaternen und Kerzen in die Fenster tellen

Das Fest soll auch trotz Corona gefeiert werden. Aber weil rund um den 11. November zumeist keine Martinsumzüge stattfinden können, sind Kinder und Familien aufgerufen, in den kommenden Tagen abends Martinslaternen und Kerzen in die Fenster zu stellen.

In den Bistümern Limburg, Mainz, Trier, Freiburg, Rottenburg, Köln und Aachen wurden vor allem über die kirchlichen Kindergärten mehrere Zehntausend feuerfeste Papiertüten verteilt, die mit Martins-Motiven bemalt und danach mit Kerzen beleuchtet werden können. Fotos der individuell gestalteten Laternen sollen unter dem Hashtag #stmartin2020 im Internet gepostet werden.

Botschaft der Nächstenliebe analog und digital am Martinsfest hinaustragen

Es sei wichtig, in diesen Zeiten die Botschaft der Nächstenliebe analog und digital hinauszutragen, so die Organisatoren. Gemeinsam mit dem Kindermissionswerk und der Sternsinger-Aktion bitten die Veranstalter um Spenden, vor allem für Kinderhilfsprojekte in Libanon. Das Erzbistum Paderborn rief deswegen zu einer ähnlichen Aktion auf. Unter dem Thema „Lichtermeer zur Martins Ehr“ sollen Familien bis 12. November Laternen ins Fenster stellen und das Martinsfest begehen.

Das Bistum Essen ermutigt zu Sankt Martins-Feiern im kleinen Kreis. Angesichts der Corona-Maßnahmen könnten viele Veranstaltungen nicht stattfinden, erklärte die Diözese. Es gebe jedoch Möglichkeiten, das Fest alternativ zu begehen. Etwa mit der Aktion „Teile dein Licht!“ des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Kinder sollen dafür zwei Laternen basteln, von denen eine verschenkt werden kann. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ermuntert zu coronakonformen Martinsfesten in Familien und Kindertagesstätten. „Gelebtes Brauchtum und Rituale schenken Kindern in dieser dunklen Zeit Geborgenheit und Sicherheit“, erklärte der Erzbischof.

Privater Martinszug

Auch wenn die großen Umzüge nicht stattfinden könnten, so falle Sankt Martin doch nicht aus, so  Theresa Kohlmeyer. Die Theologin leitet die Abteilung Glaube, Liturgie und Kultur im Bistum Essen und beobachtet, wie sich das Fest um den prominenten Heiligen und seine berühmte Mantel-Teilung im Corona-Jahr wandelt. Parallel zu den Regenbogen, die Kinder und Erwachsene während der ersten Corona-Welle vielerorts in die Fenster malten, könnten Familien Martinslaternen als Zeichen von Freude, Hoffnung und Zuversicht aufstellen. Wer abends durch die Straßen spaziere, könne dann einen privaten Martinszug erleben. Auch das gemeinsame Singen im engen Familienkreis oder das Teilen einer Martinsbrezel seien Ideen, um das Fest zu begehen.

Auch im Osten Deutschlands gibt man Sankt Martin dieses Jahr nicht ganz auf. Der Weihbischof des Erzbistums Berlin, Matthias Heinrich schreibt in einer Kolumne für die Boulevardzeitung „B.Z.“: „Der Heilige Martin saß auf seinem Pferd, der Bettler, dem er die Hälfte seines Mantels gab, lag frierend am Straßenrand. Wenn das Pferd nicht besonders klein war, dürften die 1,5 Meter Abstand eingehalten worden sein.“ Die Tat des Heiligen sei aber auch aus anderen Gründen aktuell: „Jede und jeder soll so viel geben, wie er geben kann, nach dem christlichen Gebot der Nächstenliebe, ‚liebe deinen Nächsten wie dich selbst'“. Niemand sei gezwungen, sein eigenes Leben zu gefährden, um anderes Leben zu retten.

Besondere Martinsgottesdienste für Kinder

Das Erzbistum München und Freising bietet besondere Martinsgottesdienste für Kinder. Die Kinderpastoral der Erzdiözese hat eine Vorlage für eine Martinsandacht in den Kindertageseinrichtungen bereitgestellt. In dem digitalen Andachtsheft wird die Verehrung des Heiligen lebendig mit Liedern, Geschichten und einem Martinsspiel, bei dem die Kinder pantomimisch sein Wirken nacherzählen.

Traditionelle Laternenumzüge am Gedenktag des heiligen Martin wie der in München müssen ausfallen. Corona verändere auch das Brauchtum so die Bistümer bundesweit übereinstimmend – aber es wird weiterleben und mit kreativen Lösungen wird der Pandemie getrotzt: „Rabimmel, rabammel, rabumm-bum-bum!“

Info

Der Heilige Martin stammt aus dem heutigen Ungarn, war römischer Soldat und um das Jahr 330 in Reims im Einsatz. Als er gemeinsam mit anderen Soldaten vor dem Stadttor auf einen fast unbekleideten Bettler traf, um den sich trotz des eisigen Winters niemand kümmern wollte, hat Martin der Legende nach zum Schwert gegriffen und kurzerhand seinen Mantel in zwei Stücke geteilt, um eines davon dem Bettler zu geben.

Später ließ Martin sich taufen, wurde Priester und später Bischof von Tours. Im Alter von 81 Jahren starb er 397 und wurde am 11. November beerdigt.

Von Christian Michael Hammer (KNA)
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