Bischöfe schauen auf das Leid in der Pandemie und Gesellschaft

Am Karfreitag haben katholische Bischöfe in Deutschland den Blick auf das Leid in der Pandemie, der Kirche und der Gesellschaft gelenkt.
Bonn – Am Karfreitag haben katholische Bischöfe in Deutschland den Blick auf das Leid in der Pandemie, der Kirche und der Gesellschaft gelenkt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, wandte sich dabei gegen eine Verdrängung von Problemen und warb für ein rechtes Maß an Erinnern und Vergessen, Festhalten und Loslassen. "Das gilt für uns Einzelne wie auch für die Gesellschaft."

Bischof Dr. Georg Bätzing (Foto: Bistum Limburg)

Am Karfreitag haben katholische Bischöfe in Deutschland den Blick auf das Leid in der Pandemie, der Kirche und der Gesellschaft gelenkt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, wandte sich dabei gegen eine Verdrängung von Problemen und warb für ein rechtes Maß an Erinnern und Vergessen, Festhalten und Loslassen. „Das gilt für uns Einzelne wie auch für die Gesellschaft.“

Kollektives Verdrängen

In der Corona-Pandemie habe es beispielsweise ein kollektives Verdrängen nach dem ersten Lockdown gegeben. „Die Quittung dafür haben wir mit einer massiven zweiten Welle der Pandemie bekommen.“ Familien, Senioren, Geschäftsleute, Kleinunternehmer, Kita-Kinder, Schüler, Pflegerinnen, Ärzte und die beinahe 80.000 Verstorbenen hätten dafür einen hohen Preis gezahlt.

„Wegdrücken löst echte Probleme nicht. Nach aller Erfahrung kommen sie mit Wucht zurück“, betonte Bätzing. Und auch auf anderen Feldern verdrängten die Menschen oftmals: Kriege, Hungerkatastrophen, Flucht, Klimaveränderungen, Schattenseiten von Fortschritt, Liberalismus und individueller Selbstbestimmung wie Armut, Druck auf Alte und Kranke zur Beendigung ihres Lebens und Abtreibung.

Dank an Pflegepersonal und Ärzte

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx rief dazu auf, angesichts des Leids der Corona-Pandemie den Blick auf das Kreuz als „Haltepunkt“ zu richten. Mit den weiter steigenden Zahlen der Erkrankten und Toten werde zudem immer deutlicher, „wie viel Leiden, wie viel Schmerz mit dieser Pandemie verbunden ist“. Dabei stellten sich Fragen, wie man „diesem Leid einen Sinn geben“ könne. Jedoch könne in der Betrachtung des Kreuzes „das Aushalten der Unbegreiflichkeit Gottes auch zu einer Kraft, zu einer Motivation“ werden und zugleich „zu einer Quelle des Lebens mit den anderen und für die anderen, es wird zum Zeugnis des Glaubens“.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dankte dem Pflegepersonal und den Ärztinnen und Ärzten. „Sie nehmen keine Rücksicht auf sich selbst, sondern opfern sich für ihre Mitmenschen“, sagte Schick. Auch viele Angehörige seien für Erkrankte zu Hause sowie in den Krankenhäusern und Altenheimen Tag und Nacht da. Sie folgten damit dem Beispiel Jesu, der bereit gewesen sei, für die Liebe zu Gott und den Menschen ans Limit zu gehen und zu leiden.

Bischof Overbeck beklagt Glaubwürdigkeitsverlust

Der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beklagte einen Glaubwürdigkeitsverlust in der Kirche. Es gebe Zeiten, da gerate die Botschaft des Evangeliums selbst in Gefahr. „Viele glauben nicht mehr daran, dass wir als Kirche im Missbrauchsskandal wirklich die Opfer redlich um Entschuldigung bitten und Konsequenzen ziehen, weil wir all die geschehenen Gewalttaten, das Verurteilen und Verleugnen verabscheuen und zutiefst bereuen.“

Missbrauchsgutachten kämen oft hilflos daher, sagte der Bischof. Sie könnten zwar „manche Schuld und Verantwortungsbezüge“ aufweisen. Dennoch seien sie unvollständig und drohten hohl zu werden, „wenn nicht alle systemischen Zusammenhänge und die moralische Verantwortung, die damit einhergeht, benannt werden“.

Sensibilität für die Betroffenen aus dem Blickes geraten

Der Würzburger Bischof Franz Jung warnte davor, Menschen in der Kirche auszugrenzen. Jung erinnerte in seiner Predigt zu Karfreitag an den heiligen Franziskus. Dieser habe am Ende seines Lebens selbst die Wundmale Christi empfangen und eine besondere Sensibilität für Randständige gehabt. Franziskus‘ Nähe zu jenen am Rande mahne die Kirche, „Menschen nicht zu stigmatisieren, sie also in verletzender Weise auszugrenzen“.

Der Heilige habe zudem auch gezeigt, wie man barmherzig und einfühlsam mit verletzten Menschen umgehe. „Die Opfersensibilität wurde sein Kennzeichen, gerade das also, was wir nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Kirche lernen mussten, dass die Sensibilität für die Betroffenen einfach außerhalb des Blickes geraten war“, so der Bischof.

Von Rainer Nolte (KNA)
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