Gelsenkirchen: Mahnwache gegen Judenhass vor Synagoge

300 Menschen haben am Freitag bei einer Mahnwache vor der Gelsenkirchener Synagoge gegen Antisemitismus und Judenhass protestiert.
Gelsenkirchen Mehr als 300 Menschen haben am Freitag bei einer rund 45-minütigen Mahnwache vor der Gelsenkirchener Synagoge gegen Antisemitismus protestiert. Sie reagierten damit auf eine unangemeldete anti-israelische Demonstration am Mittwochabend, bei der antisemitische Parolen gerufen worden waren. Manche Teilnehmer kamen mit Israel-Flaggen, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Nie wieder“. Es waren viele junge Menschen und auch Muslime vor Ort, um ihre Unterstützung für die jüdische Gemeinde zu zeigen. Im bild Judith Neuwald-Tasbach

Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen. –Foto: Spernol

300 Menschen haben am Freitag bei einer rund 45-minütigen Mahnwache vor der Gelsenkirchener Synagoge gegen Antisemitismus protestiert. Sie reagierten damit auf eine unangemeldete anti-israelische Demonstration am Mittwochabend, bei der antisemitische Parolen gerufen worden waren. Manche Teilnehmer kamen mit Israel-Flaggen, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Nie wieder“. Es waren viele junge Menschen und auch Muslime vor Ort, um ihre Unterstützung für die jüdische Gemeinde zu zeigen.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, dankte den Teilnehmern für die Solidaritätsbekundung und der Initiative gegen Antisemitismus für die Organisation der Kundgebung. „Am Mittwochabend waren 180, heute Abend sind es viele mehr“, sagte Neuwald-Tasbach. Ebenso schockiert sie von den Ereignissen am Mittwochabend gewesen sei, so berührt sie über den großen Zuspruch aus der Gelsenkirchener Stadtgesellschaft: „Das tut gut.“ Sie berichtete von zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die die Gemeinde nach der antisemitischen Demonstration erhalten habe. „Wir sind überwältigt von den Zusprüchen, die wir erfahren haben.“ Die verschiedenen Kulturen und Religionen sollten als Bereicherung der Gesellschaft gesehen werden und nicht als Gefahr und Bedrohung. Es zerstöre den Frieden, wenn Menschen mit hassverzerrten Gesichtern, geballten Fäusten und antisemitischen Ausrufen durch die Straßen.

Angesichts der zahlreichen Teilnehmer der Solidaritätskundgebung sagte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach: «Das tut gut.» Sie berichtete von zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die die Gemeinde nach der antisemitischen Demonstration erhalten habe. «Wir sind überwältigt von den Zusprüchen, die wir erfahren haben.» Sie rief zu Begegnung und Gespräch auf und lud alle Zuhörer ein, die Gemeinde zu besuchen. Die Synagoge befindet sich in der Innenstadt von Gelsenkirchen in der Nähe einer Fußgängerzone.

Veranstaltung unter der Motto „Kein Platz für Antisemitismus – Solidarität mit der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen!“

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, sagte, die Szenen von Mittwochabend seien unentschuldbar. Es sei unerträgliche Hetze verbreitet und dafür die aktuelle Situation in Israel als vermeintliche Rechtfertigung angeführt worden. Es habe sich um keine israelkritische Demo gehandelt, sondern um puren Hass gegen Juden, kritisierte Mihalic, die aus Gelsenkirchen kommt. Unter den weiteren Rednern war auch Gelsenkirchens Stadträtin für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration, Anne Heselhaus. Sie nannte die Kundgebung ein „klares und deutliches Zeichen der Solidarität“ mit der jüdischen Gemeinde. „Hass und Hetze und Gewalt haben in Gelsenkirchen keinen Platz. Hier sind wir alle gefordert, entschlossen Haltung zu zeigen.“

Zu der Versammlung vor der Gelsenkirchener Synagoge hatte die Initiative gegen Antisemitismus  Gelsenkirchen eingeladen. Sie stand unter dem Motto „Kein Platz für Antisemitismus – Solidarität mit der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen!“. Die Polizei hatte die Veranstaltung in Absprache mit der Initiative zunächst auf 100 Teilnehmende begrenzt. Letztlich fanden rund 300 Menschen unter Einhaltung der Coronaschutzvorgaben Platz vor der Synagoge in der Gelsenkirchener Altstadt teilgenommen. Begleitet wurde die Mahnwache von einer Vielzahl an Einsatzkräften der Polizei. „Die Veranstaltung verlief störungsfrei“, sagte ein Polizeisprecher.

Polizei hat zwei Tatverdächtige ermittelt

Die Polizei Gelsenkirchen sucht nach den Vorfällen rund um das Demonstrationsgeschehen am 12. Mai 2021 an der Synagoge in der Altstadt weiterhin nach Zeugen, die Hinweise zu möglichen Tatverdächtigen geben können. Ermittelt wird unter anderem wegen Volksverhetzung und Landfriedensbruch. Sachdienliche Hinweise bitte an die Kriminalinspektion Staatsschutz unter 0209 365 8501 oder an die Kriminalwache unter 0209 365 8240. Mittlerweile hat die Polizei Gelsenkirchen nach eigenen Angaben zwei Tatverdächtige ermittelt. „Dabei handelt es sich um einen 26 Jahre alten Deutsch-Libanesen aus Gelsenkirchen und einen 30-jährigen Deutschen, der ebenfalls in Gelsenkirchen wohnt“, sagte ein Polizeisprecher.