Bischof Oster kritisiert ebenfalls Synodalen Weg

Wenige Wochen vor der nächsten Vollversammlung des Reformprojekts Synodaler Weg zeigen sich weitere tiefgreifende theologische Meinungsverschiedenheiten in der katholischen Kirche in Deutschland.
Bischof Stefan Oster (Foto: pbp)

Bischof Stefan Oster (Foto: pbp)

Wenige Wochen vor der nächsten Vollversammlung des Reformprojekts Synodaler Weg zeigen sich weitere tiefgreifende theologische Meinungsverschiedenheiten in der katholischen Kirche in Deutschland. Am Montag veröffentlichten der Passauer Bischof Stefan Oster und drei weitere Synodale aus dem Forum IV, das sich mit Sexualität und Partnerschaft befasst, ein eigenes Grundlagenpapier.

Dieser bereits im Mai 2020 verfasste und jetzt mit einem aktuellen Vorspann versehene Text weicht in der Grundausrichtung und in wesentlichen Punkten von dem unlängst veröffentlichten Grundtext des Forums ab. Das Papier findet sich auf der vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eingerichteten neuen Seite synodale-beitraege.de. Dort sorgt seit dem Start am Freitag schon ein Alternativtext zum Forum I „Macht und Gewaltenteilung“ für heftige Kontroversen.

Zusammen mit Oster haben der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl, der Trierer Moraltheologe Johannes Brantl und die in den USA lehrende Theologin Katharina Westerhorstmann den Text verfasst. Im Vorspann kritisieren sie den Ablauf der Debatten und Abstimmungen im Forum und erläutern, warum sie nun ihren abweichenden Text veröffentlichen, der nach ihrer Überzeugung der geltenden kirchlichen Lehre entspricht – anders als Teile des mit großer Mehrheit verabschiedeten Grundtextes.

Den vier Autoren zufolge wurden in dem Forum anfangs einige Impulse aus ihrem Alternativpapier aufgenommen. Später sei jedoch nach dem Grundsatz „Die einen sehen das so – die anderen sehen es anders“ eine neue „Weichenstellung“ vollzogen worden. Im weiteren Verlauf sei dann nur noch die zweite Meinung weiter vertreten worden, die auf dem Prinzip der „verantwortlichen Freiheit“ basiere und den Begriff der Sünde im Bereich der Sexualität weitgehend ausklammere.

Ab diesem Zeitpunkt hätten sich jene, die an der geltenden kirchlichen Lehre festhalten, „kaum mehr im Stande gesehen, an der Debatte um den Grundtext mitzuwirken“. Zudem sei vom Präsidium die Vorgabe gekommen, dass es „keine alternativen Minderheitsvoten mehr geben dürfe“ wie noch in ersten Texten aus dem Forum. Der daraufhin mehrheitlich verabschiedete Grundtext zum Thema Sexualität mache nun deutlich, dass es nicht um eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre gehe, sondern „de facto um eine anderes als das bisher geteilte christliche Menschenbild“.

In ihrem eigenen, nun erstmals veröffentlichten Entwurf verweisen die vier Autoren auf eine unabhängig von der sexuellen Orientierung vorgegebene grundsätzliche Sündhaftigkeit des Menschen. Diese könne nur durch Gottes Barmherzigkeit geheilt werden. Fragen nach der Zulässigkeit von Empfängnisverhütung oder einem möglichen Segen für homosexuelle Paare werden in diesem Papier nicht ausdrücklich angesprochen. Dagegen fordert der Grundtext in diesen Punkten eine „Neuakzentuierung“ der kirchlichen Lehre.

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