Essen: Luftmine wirbelt Klosteralltag durcheinander

Das Karmelitinnen-Kloster in Essen-Stoppenberg musste evakuiert werden. Zwölf Nonnen kamen in einem benachbartem Kloster unter.
Ein Anruf genügte und vorbei war es mit Abgeschiedenheit, Stille und Gebet. Der Fund einer britischen Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg brachte das Leben im Karmelitinnen-Kloster im Essener Norden gewaltig durcheinander. Statt beten und Oblaten backen war nun evakuieren angesagt. Denn der Stadtteil Stoppenberg wurde geräumt. Fast 40.000 Essener waren von der Entschärfung betroffen, 11.000 von ihnen mussten ihre Wohnungen verlassen. Darunter auch die zwölf Nonnen.

Karmelitinnen Kloster Maria in der Not in Essen Stoppenberg. Foto: Kerstin Bögeholz | Bistum Essen

Ein Anruf genügte und vorbei war es mit Abgeschiedenheit, Stille und Gebet. Der Fund einer britischen Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg brachte das Leben im Karmelitinnen-Kloster im Essener Norden gewaltig durcheinander. Statt beten und Oblaten backen war nun evakuieren angesagt. Denn der Stadtteil Stoppenberg wurde geräumt. Fast 40.000 Essener waren von der Entschärfung betroffen, 11.000 von ihnen mussten ihre Wohnungen verlassen. Darunter auch die zwölf Nonnen.

„Am Dienstagmittag rief die Feuerwehr bei uns an und sagte, dass wir bis Mittwochmorgen halbneun das Kloster geräumt haben müssten“, erzählt Schwester Adeodata Verhoeven. Adeodata ist die Priorin, die Leiterin des Schweigeordens „Maria in der Not“, der ganz für Gott und das Gebet für die Menschen lebt. Die Nonnen leben in Klausur: Ein Großteil des Klosters ist für die Außenwelt tabu. Ihr ganzes Leben spielt sich hinter den Klostermauern ab. Beten, arbeiten, essen und trinken und wieder beten. Nur im Notfall dürfen sie den Ort verlassen. „Und eine Bombe ist definitiv ein Notfall“, erklärt die 61-Jährige. „Es war überhaupt keine Frage, dass auch wir das Kloster räumen werden.“

Und für die Priorin war auch schnell klar: „In eine Notunterkunft gehen wir nicht.“ Stattdessen brachte sie die katholischen Telefonkanäle zum Glühen und telefonierte die Klöster der Umgebung ab. Bei den Barmherzigen von der Heiligen Elisabeth wurde sie schnell fündig. Die Oberin, Schwester Waltraud, sagte nur: „Kommen Sie. Sie sind herzlich willkommen.“ Und schickte morgens sogar zwei Wagen vorbei, um die Schwestern abzuholen. „Wir haben zwar auch einen kleinen Flitzer“, berichtet Schwester Adeodata. „Da passen aber nur drei Schwestern rein. Mit den Autos der Elisabetherinnen sind wir alle in einem Rutsch rübergekommen.“ So wurde morgens pünktlich um 8:30 Uhr „alles verriegelt und verrammelt und wir sind gegangen“. Jede nur mit einer kleinen Handtasche im Gepäck. „Ich habe den Schwestern gesagt, dass sie ihren Personalausweis und ihr Stundenbuch mitnehmen sollen und etwas, womit sie sich ein paar Stunden beschäftigen können. Ich selber habe mir noch Nähsachen eingesteckt.“

Schließlich war an einen gewohnten Tagesablauf nicht zu denken. „Nein, den haben wir über den Haufen geschmissen. Da muss man halt flexibel sein. Wir waren bei den anderen Schwestern ja zu Gast und haben uns angepasst. Das geht ja nicht anders“, erklärt die Priorin ganz praktisch. „Wir haben zusammen gebetet – eine sehr schöne Erfahrung“, kann sie der Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen. Schließlich sollten es ja nur ein paar Stunden sein, die die Schwestern vom Stoppenberg Asyl suchten. „Für 15 Uhr war die Entschärfung angekündigt“, berichtet Schwester Adeodata. „Wir haben damit gerechnet, um 16 Uhr wieder zu Hause zu sein.“ Doch es sollte anders kommen. Der Blindgänger war deutlich größer und gefährlicher als gedacht, die Entschärfung komplizierter.

Als es Abend wurde, lud die Oberin die Gastschwestern ein, bis zum nächsten Morgen zu bleiben. Aus ein paar Stunden wurde eine Gastfreundschaft über Nacht. „Zwölf Leute spontan mal eben so unterzubringen, ist auch eine Ansage“, ist die Priorin immer noch ganz ergriffen von der Hilfsbereitschaft des befreundeten Ordens. Die älteren Schwestern haben noch ein Bett bekommen. Für die anderen wurde aus den Pflegezimmern Lehnsessel geholt, „die man ausziehen und die Beine hochlegen kann. Das war wunderbar. Eine etwas andere Nacht. Aber das macht ja nichts.“  Als dann auch noch Pizza gebacken wurde, war das WG-Leben auf Zeit perfekt. „Das sind Situationen des Augenblicks, auf die man spontan eingehen muss“, so Schwester Adeodata weiter. „Und wir sind den Elisabetherinnen unendlich dankbar, mit wie viel Großzügigkeit, Großherzigkeit und Liebe sie uns aufgenommen haben.“

Die Karmelitinnen leben aus dem Vertrauen auf Gott. Immer. „Und so haben wir auch in dieser Situation darauf vertraut, dass er für uns sorgen wird. Und er hat ganz wunderbar für uns gesorgt. Das haben wir gestern und heute in einer wunderbaren Weise nochmal bestätigt bekommen“, berichtet die Priorin. „Der Herr sorgt schon für uns. Er passt schon auf uns auf und er sorgt für uns. Wir brauchen uns nicht zu fürchten.“ Und so wie die Schwestern mit einer kleinen Handtasche aus der Tür raus gegangen sind, so sind sie mit einer kleinen Handtasche wieder reingegangen. „Und jetzt geht das normale Leben weiter.“ (JF)

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