Merkel: Ein Flüchtling ist keine Krise, sondern ein Mensch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat große Abneigung gegen den Begriff „Flüchtlingskrise“ bekundet.
München – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat große Abneigung gegen den Begriff "Flüchtlingskrise" bekundet. "Ich vermeide das Wort grundsätzlich, weil ein Flüchtling an sich für mich nicht eine Krise war, sondern ein Mensch", sagte sie im Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) mit Blick auf den Herbst 2015. "Wir hatten es mit Fluchtbewegungen zu tun, die von Schleppern organisiert und ausgenutzt wurden, und wir mussten politische Antworten darauf geben", sagte sie. "Es war also eine große Herausforderung durch das kriminelle Geschäft der Schleuser und aufgrund der Umstände in Syrien oder Jordanien, um die wir uns in den Jahren zuvor nicht genug gekümmert hatten." An Rücktritt habe sie jedoch nie gedacht.

Angela Merkel –Foto: © Markwaters | Dreamstime.com

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat große Abneigung gegen den Begriff „Flüchtlingskrise“ bekundet. „Ich vermeide das Wort grundsätzlich, weil ein Flüchtling an sich für mich nicht eine Krise war, sondern ein Mensch“, sagte sie im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) mit Blick auf den Herbst 2015. „Wir hatten es mit Fluchtbewegungen zu tun, die von Schleppern organisiert und ausgenutzt wurden, und wir mussten politische Antworten darauf geben“, sagte sie. „Es war also eine große Herausforderung durch das kriminelle Geschäft der Schleuser und aufgrund der Umstände in Syrien oder Jordanien, um die wir uns in den Jahren zuvor nicht genug gekümmert hatten.“ An Rücktritt habe sie jedoch nie gedacht.

Zu ihrem Handeln während der Corona-Pandemie mit der Einschränkung der Grundrechte sagte sie: „Das habe ich mir wirklich nicht gewünscht: Dass ich die Kanzlerin bin, die dafür Verantwortung trägt, dass zum ersten Mal in der Nachkriegszeit Kinder über längere Zeit nicht zur Schule gehen können.“ Bedauern äußerte sie auch über abgesagte Abiturfeiern oder dafür, dass Studierende nicht zur Universität gehen konnten. „Das sind ja normalerweise Wegmarken im Leben eines jungen Menschen. Wenn die alle nicht stattfinden, ist das hart“, so die Regierungschefin.

„Dass solche Beschränkungen eingeführt werden mussten, überstieg auch nach den vorherigen krisenhaften Entwicklungen, die ich zu begleiten hatte, mein Vorstellungsvermögen.“ Doch habe sie „diese Abwägungen bewusst vorgenommen und stehe dazu“, so Merkel.

„Nach wie vor traurig“ sei sie jedoch über Weihnachten 2020: Obwohl ausreichend Corona-Tests bereitgestanden hätten, sei in den Alten- und Pflegeheimen zu wenig getestet worden. „Ich habe noch persönlich versucht, das um Weihnachten herum in Telefongesprächen mit örtlich Verantwortlichen zu forcieren“, berichtete Merkel. „Trotzdem hat es zu lange gedauert, bis das in den Pflegeheimen umgesetzt war. Das war der schwächste Moment der Pandemiebekämpfung.“

Im Rückblick auf ihre 16 Jahre im Kanzleramt hob sie die Afrikapolitik hervor, der sie einen „viel höheren Stellenwert“ gegeben habe. Der „Compact with Africa“ gehe über klassische Entwicklungszusammenarbeit „vollkommen hinaus“, so Merkel. „Kurz nachdem ich Bundeskanzlerin geworden war, haben wir uns aus deutsch-französischer Solidarität an der Wahlbeobachtungsmission im Kongo beteiligt, damals war das für uns völlig unbekanntes Terrain.“ Seither habe sie Niger, Senegal, Mali und Burkina Faso besucht und deren Präsidenten immer wieder getroffen. „Mit diesen Regionen hatten wir uns doch nie wirklich befasst. Heute haben wir Beziehungen mit ihnen wie nie zuvor“, betonte die Kanzlerin. „Das waren wichtige Entscheidungen.“

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