Trauerfeier für Rudi Assauer in St. Urbanus

Die Szenerie glich einem Staatsakt. Die meterhohen Schalke-Fahnen im Seitenschiff der Propsteikirche St. Urbanus trugen am Freitagmorgen Trauerflor. Ein lebensgroßes Portrait zeigte Rudi Assauer in einer ikonographisch gewordenen Szene: verschmitzt lächelnd, den Uefa-Pokal geschultert, die Zigarre zwischen den Zähnen. Und rundherum ein Meer aus 27 Blumenkränzen im Altarraum.

Gedenkfeier für Rudi Assauer in der Propsteikirche St. Urbanus (Foto: Schalke 04/Karsten Rabas)

Prominente und Fans aus ganz Deutschland erwiesen der Schalker Manager-Legende eine würdige und emotionale letzte Ehre in einem ökumenischen Gottesdienst, der auch live in die Veltins-Arena übertragen wurde. Die größte Kirche nicht nur Gelsenkirchens, sondern im Bistum Essen war mit 1.200 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt.

Propst Pottbäcker: Besondere Persönlichkeit

Darunter auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski, vor allem aber Prominenz aus dem Who-is-Who des deutschen Fußballs wie Uli Hoeneß, Toni Schumacher, Rudi Völler oder Hans-Joachim Watzke – und nicht zuletzt die nahezu kompletten „Eurofighter“, die Rudi Assauer zusammen gestellt hatte.

Propst Pottbäcker bei der Trauerfeier für Rudi Assauer (Foto: Schalke 04/Karsten Rabas)

Auch Propst Markus Pottbäcker ahnte wohl, dass die Tränen der Trauergemeinde auch einer mit Assauer zu Ende gehenden Zeit galten. „Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir von so einer Persönlichkeit Abschied nehmen. Denn viele davon gibt es nicht mehr“, sagte er in seiner Begrüßung.

„Lernen, das Leben anzupacken“

„Wir können von ihm lernen, das Leben anzupacken, mehr auf die Menschen zu schauen und ihnen mit einem hörenden Herz zu begegnen“, sagte der evangelische „Schalke-Pfarrer“ Hans-Joachim Dohm in seiner Ansprache, der Assauer als „schnörkellos und ehrlich“ kennengelernt hatte. „Er kannte nur Schwarz und Weiß. Grau war bei ihm verpönt.“

In seiner Dohms Worten lag freilich auch subtile Kritik am damals wenig sensiblen Vorgehen des Aufsichtsrates bei der Entlassung Assauers 2006, wenn er sagte: „Wir müssen uns fragen, ob wir ihm die emotionale Betroffenheit, die Rudi im Umgang mit notleidenden Menschen hatte, auch haben zuteilwerden lassen.“ Denn Anzeichen von Assauers Alzheimer-Erkrankung sollen schon zu jener Zeit zutage getreten sein.

Gedenkfeier für Rudi Assauer in der Propsteikirche St. Urbanus (Foto: Schalke 04/Karsten Rabas)

Blau und Weiß auf der Kirchenorgel

Ministerpräsident Armin Laschet lobte Assauer als einen Menschen, der „Erfolg und Bodenständigkeit in einer Person“ vereint habe.  „Auch das Land Nordrhein-Westfalen verneigt sich.“ Assauer sei nicht nur das Gesicht des FC Schalke gewesen, sondern auch ein BVB-Herz in sichgetragen. „Er hat den größten Widerspruch überbrückt, den man sich im Ruhrgebiet vorstellen kann“, so Laschet, der auch an Assauers Alzheimer-Erkrankung erinnerte: „Sportliche Triumphe in der Öffentlichkeit feiern: Das können viele. Aber eine solche Krankheit öffentlich machen, das können nur wenige. Das war ein Abschied mit Stil.“

Ein Satz, der auch für diesen Gedenkgottesdienst gelten durfte, die eine gelungene Mischung aus Liturgie und Fußballkultur bot: Fanklubvertreter zogen mit ihren Fahnen in die Kirche ein, neben „Großer Gott, wir loben Dich“ erklang zum Schluss auch das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ – ein Stück, das sonst auf einer Kirchenorgel eher selten gespielt wird.

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