Kritik an geplanten Mischwesen zwischen Mensch und Tier

In Deutschland wird Kritik an japanischer Forschung zur Herstellung von Mischwesen aus Mensch und Tier laut. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht darin einen Tabubruch. Auch der Berliner katholische Moraltheologe Andreas Lob-Hüdepohl äußerte am Mittwoch in Berlin große ethische Vorbehalte gegen Experimente, bei denen ein Tier Embryonen austrägt, die mit menschlichen Stammzellen verändert wurden.

Symbolfoto: Thomas Max Müller / pixelio.de

Das Wissenschaftsmagazin „Nature“ hatte zuvor berichtet, dass Japan Forschung erlaubt habe, die langfristig zur Geburt genetisch manipulierter Mischwesen aus Mensch und Tier führen könnte, um Spenderorgane für Menschen zu gewinnen. Eine Forschergruppe um Hiromitsu Nakauchi von der University of Tokyo und der Stanford University in Kalifornien will dazu zunächst weitere Versuche zwischen unterschiedlichen Tierarten durchführen. Entsprechende Experimente sind in verschiedenen Ländern in Arbeit; sie dürfen aber nur bis zu einem Alter von 14 Tagen der Tier-Embryonen durchgeführt werden. Japan hat kürzlich zugelassen, dass solche Mischwesen – auch Mensch-Tier-Wesen – künftig auch zur Welt kommen dürfen.

Lauterbach sagte dem „Spiegel“, mit der Züchtung von Mensch-Tier-Wesen werde „eine Grenze überschritten, die wir als Menschen nicht überschreiten dürfen. Das ist ein klarer ethischer Megaverstoß“. Mit der genetischen Veränderung versuche man, „sich selbst zu Göttern zu machen“, so der SPD-Gesundheitsexperte. Lauterbach warnte außerdem vor Versuchen, die in die andere Richtung gehen: Nach der erfolgreichen Geburt von Tieren mit menschlichen Organen sei der Schritt nicht weit, auch Menschen mit tierischen Eigenschaften auszustatten. Dazu gibt es aktuell allerdings keine wissenschaftlichen Ansätze.

Lob-Hüdepohl sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), es müsse unbedingt ausgeschlossen werden, dass sich im Mutterleib des Wirtstieres ein echtes Mensch-Tier-Mischwesen entwickele. „Die fundamentale Grenze zwischen Mensch und Tier, auf der nicht nur unsere Rechtsordnung, sondern auch unser gattungsethisches Selbstverständnis als Menschen beruht, würde in unzulässiger Weise porös“, so das Mitglied des Deutschen Ethikrates.

Viele Kritiker bezweifelten, dass sich Veränderungen des tierischen Embryos durch menschliche Stammzellen „derart begrenzen lassen“. Sie vermuteten, dass sich nicht vorhersehbare Effekte einstellen könnten, die das Hirn oder sogar die Keimbahn des tierischen Embryos erreichten. Selbst wenn man viele ethische Vorbehalte ausschließen könne, stelle sich die „ethisch keinesfalls triviale Frage, ob wir unbesehen Tiere als Ersatzteillager herstellen und hernach wieder töten dürfen“, sagte Lob-Hüdepohl. Er forderte eine umfassende Diskussion über derartige Experimente.

kna
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